Es beginnt oft mit einem harmlosen Stich, den man mit einem Murren abtut. Doch 2025 entdeckte man in Frankreich, dass die Tigermücke sich nicht mehr damit begnügte, nur die Sommerabende zu verderben. Die Gesundheitsbehörden rufen nun alle zur erhöhten Wachsamkeit auf, da vom 1. Mai bis zum 30. November eine verstärkte Überwachung von Arboviren stattfindet. Die Erinnerung an das Rekordjahr mit lokalen Übertragungen, allen voran Chikungunya, ist noch frisch.
Am Mittwoch fasste die französische Gesundheitsbehörde die Lage unmissverständlich zusammen. „2025 war ein außergewöhnliches Jahr, sowohl auf dem französischen Festland als auch im Indischen Ozean“, erklärte Dr. Harold Noël, stellvertretender Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten, bei der Präsentation der Zahlen. Die Zahlen sind alarmierend: 809 lokal erworbene Chikungunya-Fälle wurden identifiziert, 26-mal so viele wie 2024, und 81 lokale Übertragungsherde wurden festgestellt. Die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, in der die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) weit verbreitet ist, war besonders stark betroffen, was auf eine deutliche Zunahme der Übertragungsintensität hindeutet.
Ein eingeschlepptes Virus, eine bereits dort vorkommende Mücke – und der Ausbruch beginnt.
Der Mechanismus selbst ist eine sehr einfache, aber bemerkenswert effiziente Kette: Eingeschleppte Fälle treffen ein, eine Tigermücke sticht eine infizierte Person und überträgt das Virus dann lokal weiter. Die große Epidemie auf Réunion und im Indischen Ozean wirkte 2025 als Beschleuniger, da vermehrt Reisende zurückkehrten, die das Virus in sich trugen und so die lokale Ausbreitung befeuerten. In diesem Zusammenhang spielt die Tigermücke keine untergeordnete Rolle mehr: „Nachdem sie 2004 über Südostfrankreich auf das französische Festland gelangte, hat sie sich nach und nach in 83 von 96 Départements ausgebreitet“, erklärte Marie Bâville, Leiterin des Krisenzentrums im Gesundheitsministerium.
Die Warnung beschränkt sich nicht nur auf Chikungunya. Denguefieber verzeichnete zwar weniger lokale Übertragungen mit 30 autochthonen Fällen, doch ein weiteres Warnsignal flammte 2025 auf: Das West-Nil-Fieber, übertragen durch die Culex-Mücke, erreichte ebenfalls einen Höchststand. Die Bilanz: 62 Fälle in 17 Départements und bemerkenswerterweise eine Ausbreitung nach Norden mit erstmals beobachteten Fällen in der Île-de-France und der Normandie – als würde die Gesundheitskarte durch kleine Flügelschläge neu gezeichnet.
Die Behörden haben zu Beginn der Saison unmissverständlich klargemacht: „Wir dürfen nicht nachlässig werden“, betont Dr. Noël, auch wenn „der Druck durch importierte Fälle bei Chikungunya in diesem Jahr weniger bedeutend zu sein scheint“. Wachsamkeit ist für alle geboten, sowohl für die Bewohner als auch für das Gesundheitspersonal. Ein wichtiger Reflex bei der Rückkehr der Mücken ist es, stehendes Wasser rund um die Häuser zu reduzieren und entsprechende Symptome frühzeitig zu erkennen, um gezielte Meldungen und Maßnahmen einzuleiten. Da die Tigermücke immer häufiger im Alltag anzutreffen ist, gewöhnt sich Frankreich mit dem Einsetzen der wärmeren Jahreszeit an eine Erkenntnis, die sich stillschweigend durchsetzt: Auch in Gärten, Höfen und auf Balkonen ist die öffentliche Gesundheit gefährdet.
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