In einem Land, in dem man Flugtickets mit zwei Klicks vergleichen, aber nicht legal auf sein eigenes genetisches Profil zugreifen kann, flammt die Debatte unweigerlich wieder auf. Der Bürgerausschuss der Generalstände für Bioethik, bestehend aus 30 Mitgliedern, empfiehlt die Legalisierung öffentlicher DNA-Tests für alle, die ihre Herkunft erfahren möchten. Laut der dem Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrat (CESE) vorgelegten Stellungnahme befürworten zwei Drittel des Gremiums die Legalisierung, sofern diese streng reguliert wird.
Frankreich gehört zu den letzten europäischen Ländern, die das Verbot aufrechterhalten, und dieses Verbot hat seine eigene Wirkungsweise: Es beseitigt die Nachfrage nicht, sondern verlagert sie lediglich. Der französische Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrat (CESE) schätzt, dass sich jährlich zwischen 100.000 und 200.000 Menschen in Frankreich an ausländische Unternehmen wenden, um diese Tests durchführen zu lassen. Hinter diesen Zahlen verbergen sich oft zutiefst persönliche, manchmal turbulente Geschichten von Menschen, die adoptiert wurden, anonym geboren wurden oder durch Samenspende gezeugt wurden – alle auf der Suche nach einem Namen, einer Verbindung, einem Gesicht in ihrem Stammbaum.
Der Staat als Schiedsrichter, der Markt im Hinterhalt
Die vorgeschlagene Initiative ist alles andere als ein laissez-faire-Ansatz. Das Bürgerkomitee hat Bedingungen festgelegt: Die Proben müssen in einer Apotheke oder einem Labor der betroffenen Personen entnommen werden, die Daten müssen innerhalb der Europäischen Union unter Einhaltung der DSGVO gespeichert werden, und es muss eine Charta zur Anonymisierung und Kontrolle der weitergegebenen Informationen unterzeichnet werden. Die Kosten trägt jedoch weiterhin die Einzelperson, ohne Erstattung. Dies verdeutlicht, dass die Gemeinschaft keine persönlichen Anliegen finanzieren soll, selbst wenn es um die Identität geht.
Eine klare, unumstößliche Grenze bleibt bestehen: Die Normalisierung von rezeptfreien Gentests, also jener online verkauften Kits, die das Blaue vom Himmel in Bezug auf Gesundheit und biologische Zukunft versprechen, kommt nicht in Frage. Der Ausschuss empfiehlt, das Verbot aufrechtzuerhalten, sowohl aus Vorsicht als auch aus Realismus, denn genetische Daten sind kein bloßes technisches Hilfsmittel, und eine riskante Interpretation kann innerhalb einer Familie oder sogar im Leben eines Menschen großen Aufruhr verursachen.
Dies ist nur ein erster Schritt, aber er ist von großer Bedeutung. Die nächste Phase der nationalen Konsultationen muss im Juni in einer Zusammenfassung des CCNE münden, gefolgt von einer Stellungnahme im November, bevor diese in das nächste Bioethikgesetz einfließen kann, das voraussichtlich 2028 verabschiedet wird. Bis dahin muss Frankreich sich entscheiden: Entweder hält es die Tür weiterhin geschlossen und erlaubt französischen Bürgern den Zugang über digitale Kanäle, oder es organisiert endlich einen kontrollierten Zugang mit klaren Regeln und akzeptiert, dass Vaterschaftsfeststellungen mitunter auch digital erfolgen.
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