Die Perrier-Fabrik in Vergèze im Département Gard steht erneut im Mittelpunkt eines Gesundheitsskandals. In 75-cl-Flaschen wurden Enterobacteriaceae – potenziell pathogene Darmbakterien – gefunden, was zur Stilllegung einer Produktionslinie und zur Sperrung von 369 Paletten bzw. rund 300 Flaschen führte. Auch andere Chargen, à 000 cl, werden aufgrund eines Überschusses an wiederverwendbaren Keimen zurückgehalten. Trotz dieser Verunreinigungen behauptet Nestlé, der Eigentümer der Marke, dass die verkauften Produkte „sicher“ seien und spricht von „einfachen internen Qualitätsmanagementmaßnahmen“. Problem: Die regionale Gesundheitsbehörde Occitanie (ARS) wurde erst mehrere Tage nach ihrer Entdeckung über die Ergebnisse informiert, was ihrer Ansicht nach einen Verstoß gegen die gesetzlichen Meldepflichten darstellt. Nestlé wiederum spricht von „üblichen Verzögerungen“.
Auf dem Weg zum Verlust des natürlichen Mineralwasserstatus?
Diese neue Episode ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem die Reinheit der von Perrier durchgeführten Bohraktivitäten bereits seit mehreren Jahren in Frage gestellt wird. Ein vom Gesundheitsministerium genehmigter Bericht von Hydrogeologen kommt zu dem Schluss, dass das Wasser von Vergèze seine „ursprüngliche Reinheit“ verloren hat, eine wesentliche Voraussetzung für die Beibehaltung der Bezeichnung „natürliches Mineralwasser“. Die ARS empfiehlt daher dem Präfekten des Gard, dieses Etikett von Perrier zurückzuziehen, was das Ende der Kultmarke bedeuten würde. Der Fall nimmt eine juristische Wendung: Die Betrugsbekämpfungsbehörde hat den Fall vor Gericht gebracht und verweist auf „Praktiken, die Straftaten darstellen könnten“. Mehreren internen Berichten zufolge reichen die von Nestlé verwendeten Filter (0,2 Mikron-Mikrofiltration) nicht aus, um eine vollständige Desinfektion des Wassers zu gewährleisten, was für die Verbraucher möglicherweise gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Trotz dieser Warnungen berechtigt eine im Jahr 2023 erteilte Ausnahmegenehmigung den Konzern weiterhin, die Produktion unter diesen Bedingungen fortzusetzen. Der Staat muss nun zwischen industrieller Unterstützung und gesundheitlichen Erfordernissen entscheiden.