In Guadeloupe ist ein Gesundheits- und Verwaltungsskandal ausgebrochen. Dutzende Leichen von Menschen, die als mittellos galten, darunter 22 Kinder, wurden seit Jahren nicht beerdigt. Eine Untersuchung soll die Hintergründe dieser Ereignisse aufklären.
Laut mehreren Quellen beschlagnahmten die Strafverfolgungsbehörden etwa zwanzig Leichen aus den Leichenhallen eines Bestattungsinstituts in Le Gosier und Sainte-Anne. Die Leichen wurden zur besseren Konservierung in andere Einrichtungen überführt. Drei Tage nach der Aktion war an einem der Orte ein starker Verwesungsgeruch wahrnehmbar.
Im Universitätsklinikum Les Abymes in Guadeloupe warten unterdessen noch 31 weitere Leichen (22 Kinder, sieben Männer und zwei Frauen) auf ihre Beisetzung. Die Todesfälle ereigneten sich zwischen 2017 und 2025. Die älteste Leiche ist die eines Jungen, der 2017 starb.
Eine Warnung aus dem Oktober 2025
In einem am 24. Februar veröffentlichten Dekret teilte die Präfektur mit, dass sie am 31. Oktober 2025 von der Leitung des Universitätsklinikums (CHU) über die Aufbewahrungsbedingungen einiger nicht abgeholter Leichen informiert worden sei. Da die Stadtverwaltung von Abymes aufgrund von Platzmangel auf dem Friedhof keine Bestattungsgenehmigungen ausgestellt hatte, genehmigte die Präfektur die Einäscherung der 31 Leichen, auch nach Ablauf der gesetzlichen Frist von 14 Tagen.
Das Universitätsklinikum (CHU) erklärte in einer Pressemitteilung, es habe „vorübergehende Konservierungsmaßnahmen“ ergriffen, um jegliche Verletzung der Menschenwürde und eine Überlastung der Leichenhalle zu vermeiden. Das Krankenhaus gab an, die lokalen Behörden und die zuständigen Justizorgane kontaktiert und Vereinbarungen mit Bestattungsunternehmen getroffen zu haben.
Die Staatsanwaltschaft Pointe-à-Pitre hat sich bisher nicht geäußert, eine dem Fall nahestehende Quelle bestätigt jedoch, dass Ermittlungen laufen. Die Gemeinde Les Abymes reagierte nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.