Was wäre, wenn man die Zeit im Berufsverkehr der psychischen Gesundheit widmen könnte? Dieses Konzept entwickelte Thellia Tacite Lepasteur, eine klinische Psychologin und Unternehmerin aus Guadeloupe. Seit einigen Monaten bietet sie in der Region Île-de-France sogenannte „Therapeutische Reisen“ an, bei denen Patienten während einer Fahrt mit einem Fahrdienst eine Psychotherapiesitzung wahrnehmen können.
Die Initiative basiert auf einer weit verbreiteten Beobachtung: Aufgrund beruflicher, familiärer und persönlicher Verpflichtungen fällt es vielen Menschen schwer, Zeit für eine Therapie zu finden. Die Psychologin schlägt daher vor, die Therapie in einen ohnehin geplanten Termin zu integrieren. Der Patient wird in einem Fahrzeug befördert, das von einem der rund vierzig Fahrer des Unternehmens gesteuert wird, und die Fahrt wird so zu einem Raum für Gespräche.
Das Fahrzeug als Raum für Rede
Für Thellia Tacite Lepasteur stellt die mobile Einheit einen Zwischenraum zwischen der Praxis der Therapeutin und dem öffentlichen Raum dar. Diese mobile Umgebung soll das Sprechen, Loslassen und Reflektieren über persönliche Traumata erleichtern. Das Konzept zielt darauf ab, psychologische Unterstützung zugänglicher zu machen, ohne dass Patienten ihren Tagesablauf komplett umstrukturieren müssen.
Dieser originelle Ansatz stellt jedoch besondere Anforderungen an Vertraulichkeit und Behandlungsqualität. Die Anwesenheit eines Fahrers, Außengeräusche oder die unterschiedliche Fahrtdauer können dieses Erlebnis von einer herkömmlichen Beratung unterscheiden. Der Unternehmer präsentiert „Therapeutische Reisen“ dennoch als geeigneten und vertraulichen Rahmen, der die Beziehung zwischen Psychologe und Patient wahren soll.
Eine Unternehmerin, deren Weg von Widerstandsfähigkeit geprägt ist
Die klinische Psychologin und Psychotherapeutin Thellia Tacite Lepasteur, ausgebildet in Psychoanalyse, gründete ihr Transportunternehmen vor sieben Jahren. Die ehemalige französische Kickboxmeisterin und fünffache Mutter organisiert außerdem Konferenzen, Netzwerkveranstaltungen für Unternehmer und Retreats mit Fokus auf körperliches und seelisches Wohlbefinden. 2022 belegte sie den zweiten Platz bei der Wahl zur Miss Maman Île-de-France.
Ihr Ansatz in der Betreuung ist eng mit ihrer persönlichen Geschichte verknüpft, die sie in ihrer Autobiografie *Au nom du père* (Im Namen des Vaters) schildert, die 2025 bei Nèg Mawon erschien. Darin beschreibt sie die körperliche Gewalt und Demütigung, die sie in ihrer Kindheit erlitt, insbesondere die Schläge ihres Vaters, wenn ihre schulischen Leistungen seinen Erwartungen nicht entsprachen. Nach jahrelanger Psychoanalyse beschloss sie, diese schmerzhafte Erfahrung in eine treibende Kraft für die Unterstützung anderer umzuwandeln. Ihre „Therapeutischen Reisen“ erscheinen daher als Fortsetzung eines Weges, der auf Resilienz und dem Wunsch basiert, therapeutische Ausdrucksformen zugänglicher zu machen.
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