Psychische Gesundheit in Frankreich – ein Parlamentsbericht warnt vor einer großen Krise 
Psychische Gesundheit in Frankreich – ein Parlamentsbericht warnt vor einer großen Krise 

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zu den Mängeln der öffentlichen Politik im Bereich psychische Gesundheit und Behinderung veröffentlicht seine Ergebnisse am Mittwoch, dem 17. Dezember. Der Bericht, unter der Leitung des sozialistischen Abgeordneten Sébastien Saint-Pasteur, zeichnet ein düsteres Bild der Situation in Frankreich und hebt einen rapiden und tiefgreifenden Rückgang der psychischen Gesundheit der Bevölkerung hervor, insbesondere junger Menschen. Das fast 300-seitige Dokument beschreibt eine systemische Krise, die von den Behörden unzureichend vorhergesehen und schlecht bewältigt wurde. Der Bericht unterstreicht einen deutlichen Anstieg psychischer Erkrankungen in den letzten zwei Jahrzehnten. Die Häufigkeit schwerer depressiver Episoden ist in der erwachsenen Bevölkerung stark angestiegen, von unter 8 % Mitte der 2000er-Jahre auf über 13 % im Jahr 2021. Bei den 18- bis 24-Jährigen liegt diese Rate mittlerweile bei über 20 %. Dieser Trend geht einher mit einem besorgniserregenden Anstieg suizidalen Verhaltens. Die Suizidrate bei unter 24-Jährigen stieg zwischen 2019 und 2022 um fast 18 %. Suizidversuche haben insbesondere bei jungen Frauen stark zugenommen – ein Anstieg, den der Berichterstatter als dramatisch bezeichnet. Die identifizierten Ursachen sind vielfältig und miteinander verknüpft. Als verschärfende Faktoren werden die anhaltenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, die verstärkte Nutzung sozialer Medien, akademische und soziale Spannungen sowie eine allgemeine Zukunftsunsicherheit genannt. Auch ältere Menschen scheinen besonders gefährdet zu sein: Ihre Suizidrate liegt deutlich über dem nationalen Durchschnitt für über 85-Jährige – eine Tatsache, die laut Bericht in der öffentlichen Debatte weitgehend unbeachtet bleibt.

Ein wichtiges nationales Anliegen ohne greifbare Ergebnisse

Obwohl die psychische Gesundheit für 2025 als nationale Priorität festgelegt und für 2026 erneut bekräftigt wurde, verdeutlicht der Bericht die Diskrepanz zwischen politischen Ankündigungen und der tatsächlichen Versorgungssituation. Der Zugang zur Versorgung, insbesondere in der Psychiatrie, gilt aufgrund eines strukturellen Fachkräftemangels als besonders unzureichend. Die Kapazität für stationäre Aufenthalte ist in den letzten zehn Jahren um mehr als 10 % gesunken, während die teilstationäre Behandlung zu langsam wächst, um die steigende Nachfrage zu decken. Laut Bericht führt diese Situation zu Krisenmanagementpraktiken, die einer unter Dauerdruck stehenden Medizin ähneln. Die stagnierende Anzahl von Psychiatern und der Mangel an Psychologen im öffentlichen Sektor verschärfen diese Probleme. Arbeitsbedingungen, unzureichende Gehälter und mangelnde Anerkennung tragen dazu bei, dass diese wichtigen Berufe unattraktiv werden. Auch das Programm „My Mental Health Support“, das den Zugang zu erstattungsfähiger psychologischer Unterstützung erleichtern soll, wird kritisiert. Obwohl es seit seinem Start die Versorgung von mehreren Hunderttausend Patienten verbessert hat, kommt der Bericht zu dem Schluss, dass seine tatsächliche Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist. Die Nachsorge ist oft lückenhaft, die durchschnittliche Anzahl der Sitzungen bleibt gering, und die Begünstigten scheinen überwiegend aus privilegierten Verhältnissen zu stammen, obwohl prekäre Lebensverhältnisse ein verschlimmernder Faktor für psychische Erkrankungen sind. Die geringe Beteiligung niedergelassener Psychologen bestärkt die Annahme, dass dieses Instrument unzureichend in eine umfassende Gesundheitsstrategie integriert ist.

Enorme Kosten und unzureichende Regierungsführung

Neben den menschlichen Folgen betont der Bericht die wirtschaftliche Belastung durch psychische Erkrankungen. Die Ausgaben für psychiatrische Erkrankungen und Psychopharmaka erreichen jährlich fast 28 Milliarden Euro – ein deutlicher Anstieg seit 2019. Einschließlich indirekter Kosten wie Produktivitätsverlusten und einer verminderten Lebensqualität übersteigen die Gesamtkosten weit 150 Milliarden Euro. Angesichts dessen fordert der Bericht eine grundlegende Reform der öffentlichen Verwaltung mit systematischer Evaluierung der umgesetzten Maßnahmen. Er empfiehlt eine bessere Koordinierung der bestehenden Systeme, höhere Investitionen in Prävention ab der Kindheit und kohärentere Versorgungswege für psychische Erkrankungen und Menschen mit Behinderungen. Ohne strukturelle Veränderungen, so die Einschätzung des Abgeordneten, werden die derzeitigen Maßnahmen weiterhin lückenhaft bleiben und keine angemessene Antwort auf die mittlerweile eindeutig dokumentierte Krise bieten.