Anorexie: eine sich rasant ausbreitende psychische Erkrankung, die Spezialisten beunruhigt
Anorexie: eine sich rasant ausbreitende psychische Erkrankung, die Spezialisten beunruhigt

Anorexia nervosa, lange Zeit als seltene Erkrankung vorwiegend junger Mädchen angesehen, gilt heute als bedeutendes Problem der öffentlichen Gesundheit. Seit der Covid-19-Pandemie beobachten Gesundheitsexperten einen besorgniserregenden Anstieg von Essstörungen, insbesondere bei jungen Menschen. Zahlen aus dem Zeitraum 2024 bis 2026 zeigen einen weltweiten Anstieg des Phänomens bei weiterhin unzureichender Behandlung.

Anorexia nervosa ist gekennzeichnet durch freiwillige Nahrungsverweigerung, eine starke Angst vor Gewichtszunahme und ein verzerrtes Körperbild. Die Krankheit betrifft vorwiegend Frauen, doch beobachten Fachleute auch einen Anstieg der Fälle bei Jungen und Männern, die oft erst später diagnostiziert werden. Laut mehreren aktuellen Studien ist das Risiko für Frauen weltweit immer noch fast doppelt so hoch wie für Männer.

Anstieg von Essstörungen weltweit

Wissenschaftliche Daten aus dem Jahr 2025 zeigen, dass die weltweite Verbreitung von Essstörungen weiter zunimmt. Zwischen 1990 und 2021 stieg die standardisierte globale Prävalenzrate von etwa 301 auf 355 Fälle pro 100.000 Einwohner. Forscher beobachteten einen besonders deutlichen Anstieg bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Mädchen im Jugendalter sind die am stärksten gefährdete Bevölkerungsgruppe. Eine internationale Studie aus dem Jahr 2024 schätzt, dass 5,5 % bis 17,9 % der jungen Frauen vor dem Erwachsenenalter an Essstörungen leiden. Andere Studien deuten darauf hin, dass etwa 13 % der Jugendlichen vor dem 20. Lebensjahr eine Essstörung entwickeln.

Frankreich steht vor einer besorgniserregenden Situation

In Frankreich schätzen die Gesundheitsbehörden, dass mindestens 900.000 Menschen an einer diagnostizierten Essstörung leiden. Experten weisen jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Zahl wahrscheinlich höher liegt, da viele Fälle unentdeckt bleiben oder die medizinischen Kriterien nicht vollständig erfüllen.

Anorexia nervosa betrifft vorwiegend Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren. Laut aktuellen medizinischen Daten sind zwischen 1 % und 2 % der heranwachsenden Mädchen betroffen, was in Frankreich etwa 40.000 jungen Menschen entspricht. Mehr als 80 % der Betroffenen sind Frauen.

Eine Krankheit, die mehr Menschen tötet als andere psychiatrische Störungen

Einer der alarmierendsten Aspekte der Anorexie ist ihre hohe Sterblichkeitsrate. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist darauf hin, dass diese Krankheit die höchste Sterblichkeitsrate aller psychischen Erkrankungen aufweist. Todesfälle treten sowohl aufgrund medizinischer Komplikationen im Zusammenhang mit Mangelernährung als auch aufgrund eines besonders hohen Suizidrisikos auf.

Mehrere aktuelle Studien belegen, dass Menschen mit Anorexie ein fast dreimal höheres Risiko für einen vorzeitigen Tod haben als die Allgemeinbevölkerung. Einige Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass 5 bis 10 % der Patientinnen und Patienten innerhalb von zehn Jahren nach Krankheitsbeginn sterben, wenn die Erkrankung nicht adäquat behandelt wird.

Soziale Medien im Zentrum der Bedenken

Seit 2024 ist die Rolle sozialer Medien zu einem zentralen Thema geworden. Mehrere französische Familien haben Klagen gegen TikTok eingereicht, da bestimmte Inhalte, die extreme Schlankheit propagieren oder „Pro-Ana“-Botschaften verbreiten, das psychische Wohlbefinden ihrer Kinder verschlechtert haben. Experten weisen darauf hin, dass Algorithmen die wiederholte Konfrontation mit Inhalten zu Gewichtsverlust, Diäten oder einem unrealistischen Körperbild begünstigen können.

Angesichts dieser Situation betonen Experten die Wichtigkeit der Früherkennung. Je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind die Heilungschancen. Dennoch sind die spezialisierten Einrichtungen in vielen Ländern weiterhin überlastet, und die Wartezeiten für eine Behandlung sind mitunter sehr lang. Anorexie ist längst keine Einzelerkrankung mehr: Sie hat sich zu einer der größten psychischen Herausforderungen dieses Jahrzehnts entwickelt, insbesondere für jüngere Generationen, die einem zunehmenden Druck hinsichtlich ihres Aussehens ausgesetzt sind.

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