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Umfrage: Marine Le Pen weit vorn, Édouard Philippe ihr Hauptrivale

Umfrage: Marine Le Pen weit vorn, Édouard Philippe ihr Hauptrivale
Umfrage: Marine Le Pen weit vorn, Édouard Philippe ihr Hauptrivale

Gut sieben Monate vor dem ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen zeichnet sich ein bemerkenswert klares Kräfteverhältnis ab: Marine Le Pen dominiert in allen simulierten Szenarien mit 34 bis 36 Prozent der Stimmen. Dahinter scheint Édouard Philippe das größte Potenzial zu besitzen, die ehemalige Macron-Wählerschaft zu einen, während Jean-Luc Mélenchon weiterhin stark genug ist, um den Einzug des Zentrums in die Wahl zu gefährden. Die Ipsos bva-CESI-Umfrage für Le Parisien zeichnet das Bild einer stark fragmentierten politischen Landschaft, in der der Rassemblement National (RN) eindeutig die stärkste Wählerbasis besitzt.

Marine Le Pen verfügt heute über eine beispiellose Unterstützerbasis.

Marine Le Pen liegt in allen sechs getesteten Szenarien mit 34 % bis 36 % an der Spitze. Der Abstand zu ihren engsten Konkurrenten ist beträchtlich: Selbst im für Édouard Philippe günstigsten Szenario erreicht er nur 22,5 %, zwölf Punkte weniger. Im Szenario, in dem Raphaël Glucksmann , Gabriel Attal und Édouard Philippe kandidieren, erzielt Marine Le Pen 34 %, Jean-Luc Mélenchon hingegen 15 %, Philippe 14,5 %, Glucksmann 11,5 % und Attal lediglich 7,5 %.

Die Stärke des Rassemblement National (RN) liegt nicht nur in seiner schieren Anzahl an Wählern, sondern auch in der bemerkenswerten Loyalität seiner Wählerschaft. Im Szenario Philippe-Attal-Glucksmann geben 92 % der Wähler von Marine Le Pen aus dem Jahr 2022 an, sie erneut für sie stimmen zu wollen. Tritt Philippe als einziger Kandidat der Mitte gegen Glucksmann an, steigt diese Loyalität sogar auf 93 %. Im Gegensatz dazu ist die ehemalige Wählerschaft von Emmanuel Macron zersplittert: In einem Szenario mit Philippe und Attal entscheiden sich 43 % für Philippe, 21 % für Attal, 15 % für Glucksmann und 10 % für Marine Le Pen. Dieser Unterschied in der Loyalität ist wohl die wichtigste politische Erkenntnis der Umfrage: Während ihre Gegner noch Koalitionen neu bilden müssen, verfügt Marine Le Pen bereits über einen weitgehend gefestigten Wählerblock.

Diese hohe Zustimmung geht mit einem weiteren wichtigen Phänomen einher. Unter den getesteten Kandidaten genießt Marine Le Pen das größte Vertrauen in die Franzosen: 40 %, vor Édouard Philippe mit 36 ​​%, Gabriel Attal mit 29 % sowie Bruno Retailleau und Raphaël Glucksmann mit jeweils 28 %. Dennoch bleibt sie umstritten, da 60 % der Befragten angeben, sich Sorgen um sie zu machen, darunter 48 %, die sich „sehr“ Sorgen machen. Anders ausgedrückt: Die Kandidatin des Rassemblement National stößt weiterhin auf erhebliche Ablehnung, doch gleichzeitig genießt sie das größte Vertrauen in der Gruppe – ein politisch ganz anderer Faktor als die reine Messung der Wahlabsicht.

Édouard Philippe übernimmt deutlich die Führung vor Gabriel Attal

Der Kampf um das Erbe des Macronismus entwickelt sich jedoch eindeutig zugunsten von Édouard Philippe. Treten die beiden ehemaligen Premierminister gleichzeitig als Kandidaten an, erreicht Philippe 14,5 % bis 16,5 %, verglichen mit 7,5 % bis 8,5 % für Gabriel Attal . Ist er der einzige Vertreter des Zentrums, steigt sein Potenzial deutlich: 19 % gegen Raphaël Glucksmann und bis zu 22,5 %, wenn der sozialistische Kandidat Olivier Faure ist. In diesem Szenario vergrößert Philippe seinen Vorsprung gegenüber Jean-Luc Mélenchon, der bei 16,5 % liegt, sogar um sechs Punkte.

Dieser Unterschied erklärt sich größtenteils durch ihre jeweilige Fähigkeit, Macrons Wählerschaft für 2022 zurückzugewinnen. Ohne Attal würden 58 % von Emmanuel Macrons ehemaligen Wählern zu Philippe wechseln, wenn Glucksmann die Sozialistische Partei und den Wahlkreis Place Publique vertreten würde; dieser Wert steigt auf 68 %, wenn der sozialistische Kandidat Olivier Faure wäre. Attal, der allein antritt, kann einen deutlich geringeren Anteil dieser Wählerschaft halten: 44 % gegen Glucksmann und 52 % gegen Faure. Vor allem aber reicht seine Kandidatur in mehreren Szenarien nicht aus, um Jean-Luc Mélenchon daran zu hindern , ihn zu überholen.

Die gleichzeitige Kandidatur von Attal und Philippe stellt somit das gefährlichste Szenario für das Zentrumsbündnis dar. Sie spaltet die Wählerschaft direkt von der Präsidentschaftsmehrheit und drängt Mélenchon zwangsläufig näher an den zweiten Platz. Mit Olivier Faure an der Seite liegt Philippe bei 16,5 %, Mélenchon bei 16 % und Attal bei 8,5 %: Nur ein halber Prozentpunkt trennt Philippe von Mélenchon, der mit 34,5 % weit hinter Marine Le Pen liegt. Die Frage der Vereinigung oder des Wettbewerbs unter den Kandidaten des Zentrums könnte daher eine der zentralen strategischen Fragen im ersten Wahlgang sein.

Mélenchon bleibt umkämpft, die traditionelle Rechte steckt im Zwickmühlen

Auf der linken Seite bleibt Jean-Luc Mélenchon der aussichtsreichste Kandidat. Seine Zustimmungswerte schwanken je nach Szenario zwischen 15 % und 17 %, hängen aber stark von den jeweiligen politischen Alternativen ab. Tritt Raphaël Glucksmann an, bleibt Mélenchon bei 15 %. Gegen Olivier Faure steigt er von 16 % auf 17 %. Dieser Unterschied verdeutlicht Glucksmanns größere Fähigkeit, einen Teil der sozialdemokratischen und grünen Wählerschaft zu halten. Keiner der beiden getesteten sozialistischen Kandidaten kommt jedoch an Mélenchons Werte heran: Glucksmann erreicht maximal 14 %, während Olivier Faures Zustimmungswerte bei 5,5 % liegen.

Mélenchon hat jedoch das gegenteilige Problem zu Marine Le Pen: Seine Wählerbasis für 2022 ist deutlich weniger stabil. Im Szenario Philippe-Attal-Glucksmann geben nur 56 % seiner Wähler von 2022 an, ihn erneut wählen zu wollen, verglichen mit 16 % für Glucksmann, 8 % für Marine Tondelier und 11 % für Marine Le Pen. Mit Olivier Faure als sozialistischem Kandidaten steigt seine Zustimmung auf 61 bis 64 %. Vor allem aber geht seine Fähigkeit, die Stichwahl zu erreichen, mit einer außergewöhnlich hohen Ablehnung einher: Nur 19 % der Franzosen geben an, ihm vertrauen zu können, während 81 % besorgt sind, 71 % davon äußern sogar „große Besorgnis“ – der höchste Wert unter den befragten Hauptkandidaten.

Im rechten Spektrum hat Bruno Retailleau Schwierigkeiten, zwischen Édouard Philippe und Marine Le Pen Fuß zu fassen. Seine Zustimmungswerte schwanken je nach politischer Lage erheblich und bewegen sich zwischen 6 % und 10 %. Die Wählerverschiebungen aus dem Lager von Valérie Pécresse verdeutlichen diesen Wettbewerb: Tritt Édouard Philippe als einziger Kandidat der Mitte gegen Glucksmann an, würden 41 % von Pécresses Wählern im Jahr 2022 für Retailleau stimmen, 30 % direkt für Marine Le Pen und 17 % für Philippe. Verliert Philippe seine Kandidatur zugunsten von Attal, kann Retailleau 56 % dieser ehemaligen LR-Wählerschaft für sich gewinnen. Dies zeigt, dass sein Wachstumspotenzial auch von der Konstellation des Mitte-Rechts-Lagers abhängt.

Zum jetzigen Zeitpunkt zeichnet die Umfrage nicht nur das Bild von Marine Le Pen als Favoritin im ersten Wahlgang; sie offenbart auch eine grundlegende Asymmetrie zwischen dem wahlpolitisch gefestigten Rassemblement National (RN) und den noch immer zersplitterten konkurrierenden Blöcken. Philippe hat das größte Potenzial, die Erben des Macronismus zu vereinen; Mélenchon verfügt über genügend Stimmen, um aus deren Spaltungen Kapital zu schlagen; Glucksmann existiert zwar, hat seine Kandidatur aber noch nicht zu einer wahlentscheidenden Kraft entwickelt; Retailleau bleibt zwischen Mitte-Rechts und RN gefangen. Vorsicht ist natürlich weiterhin geboten: Die Studie wurde vom 31. August bis 2. September online unter 1.500 registrierten Wählern nach dem Quotenverfahren durchgeführt und misst das Kräfteverhältnis zu einem bestimmten Zeitpunkt, nicht das Endergebnis. Doch sieben Monate vor der Wahl dominiert eine Tatsache alle anderen: Marine Le Pens Gegner kämpfen noch immer um den zweiten Platz, während sie selbst den ersten Platz bereits sicher zu haben scheint.

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