Das zwölfseitige Memo, das Gérald Darmanin am 29. Juli an Laurent Nuñez schickte, sorgt weiterhin für Empörung unter den Polizeibeamten. Das Dokument, das auf 37 Berichten der Staatsanwaltschaften basiert, listet gravierende Schwierigkeiten bei der Bearbeitung von Fällen sexueller Gewalt gegen Minderjährige auf: abgebrochene oder verloren gegangene Verfahren, Fälle, die in der Statistik nicht erfasst werden, mangelnde Schulung, unzureichende Ausrüstung und Personalmangel. Der Justizminister stellt klar, dass diese Probleme nicht auf mangelndes Engagement der Ermittler zurückzuführen sind, doch seine Einschätzung wird von einigen innerhalb der Polizei als Vorwurf aufgefasst.
Das Memo folgt auf den Fall Lyhanna, bei dem ein elfjähriges Schulmädchen in der Region Gers tot aufgefunden wurde. Gegen den Hauptverdächtigen lagen mehrere Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs vor, ohne dass er jemals angeklagt wurde. Gewerkschaften kritisieren insbesondere Gérald Darmanin, den seit über vier Jahren amtierenden Innenminister, dafür, dass er nun die Mängel eines Systems anprangert, das er selbst geleitet hat. Mehrere Polizeibeamte räumen Fehlfunktionen ein, bestreiten jedoch die gemeldete Zahl der verloren gegangenen Fälle und verurteilen ein Dokument, das den Eindruck erweckt, die Polizei sei untätig geblieben.
Ermittlungsdienste stehen vor Bearbeitungsrückständen
Laurent Nuñez versprach, die Anmerkungen der Richter Punkt für Punkt zu beantworten und die Angelegenheit richtigzustellen. Der Innenminister räumte jedoch ein, dass die Justiz mit einer stark gestiegenen Fallzahl, immer komplexeren Verfahren und einer tiefgreifenden Unzufriedenheit mit den Ermittlungsberufen zu kämpfen habe. Er kündigte die Schaffung von 700 zusätzlichen Stellen im Jahr 2027 an, wie bereits 2026, die Fortsetzung der Entschädigungserhöhungen und die Eröffnung neuer „Mélanie-Räume“, die speziell für die Zeugenaussage von kindlichen Opfern eingerichtet wurden. Derzeit gibt es 378 solcher Räume in Frankreich, und Berichten zufolge wurden bereits 22.000 Polizisten und Gendarmen in der Befragung von Minderjährigen geschult.
Gewerkschaftsvertreter gehen jedoch davon aus, dass die angekündigten Neueinstellungen nur mittelfristig Wirkung zeigen werden. Sie fordern außerdem die Modernisierung der digitalen Werkzeuge, spezialisiertere Schulungen und eine konkrete Strategie, um die Ermittlungsarbeit attraktiver zu gestalten. Das Innenministerium (Place Beauvau) erklärt, es prüfe das Dokument weiterhin, bevor es eine abschließende Stellungnahme und Vorschläge erarbeitet. Gérald Darmanin schlug ein Treffen am 3. September vor, doch das Innenministerium möchte diesen Termin noch nicht bestätigen und zieht es vor, die Überprüfungen abzuschließen, bevor es öffentlich in den Dialog tritt.
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