POLITISCH

Waldbrände: Robert Ménard prangert das „Sommerspektakel“ an und fordert eine entschiedene Politik

Waldbrände: Robert Ménard prangert das „Sommerspektakel“ an und fordert eine entschiedene Politik

Während Frankreich eine der schlimmsten Waldbrandsaisons seiner jüngeren Geschichte erlebt, gibt Robert Ménard, Bürgermeister von Béziers, dem Magazin Entrevue eine offene Einschätzung. Laut dem gewählten Vertreter leidet das Land weniger unter einem Mangel an Emotionen als vielmehr unter einem Mangel an politischer Kontinuität.

„Jeden Sommer tauchen dieselben Bilder wieder auf. Die Flammen, die Canadair-Löschflugzeuge, die Politiker, die plötzlich das Problem entdecken. Doch sobald der erste Regen einsetzt, ist alles vergessen“, klagt Robert Ménard.

Der Bürgermeister von Béziers weist darauf hin, dass bis Anfang August 2026 in Frankreich bereits über 119.000 Hektar Land durch Brände verwüstet wurden – ein Ausmaß, das zu dieser Jahreszeit noch nie erreicht wurde. Allein das Großfeuer in der Gironde zerstörte mehr als 42.000 Hektar, während landesweit Tausende von Einsatzkräften mobilisiert wurden.

Für Robert Ménard sollte der erste Gedanke den Feuerwehrleuten gelten.

„Sie sind an allen Fronten im Einsatz und riskieren dabei oft ihr Leben. Hunderte wurden dieses Jahr verletzt. Zwei Berufsfeuerwehrleute sind im Dienst ums Leben gekommen. Doch sobald die Krise vorbei ist, werden sie bis zum nächsten Sommer vergessen.“

Der gewählte Beamte ist der Ansicht, dass die Finanzierung der Brandbekämpfung nach wie vor zu stark auf den Kommunen lastet, obwohl es sich um eine Frage der nationalen Sicherheit handelt. Seiner Meinung nach kann der Staat nicht länger einfach nach jeder Katastrophe Notfallpläne verkünden: Es müsse eine nachhaltige Strategie umgesetzt werden, um Risiken das ganze Jahr über vorzubeugen.

Ein weiterer Grund zur Sorge für den Bürgermeister von Béziers: die Brandursache.

„Neun von zehn Bränden sind auf menschliches Handeln zurückzuführen. Ein erheblicher Anteil wird sogar vorsätzlich gelegt. Es geht nicht mehr nur um Prävention, sondern auch um Autorität.“

Robert Ménard beklagt, dass die gesetzlich vorgesehenen Strafen selten mit der vollen Härte angewendet werden, die das Gesetz vorsieht. Seiner Ansicht nach sollten Brandstifter nicht länger bloß als Kriminelle betrachtet werden, sondern als Personen, die Menschenleben, Häuser und Naturerbe gefährden, mitunter unwiderruflich.

Der Bürgermeister von Béziers fordert außerdem verstärkte Rodungsmaßnahmen, nachhaltige Investitionen in Ressourcen zur Bekämpfung von Waldbränden und die Integration der Prävention in eine echte öffentliche Politik anstelle von Ad-hoc-Reaktionen, die von aktuellen Ereignissen diktiert werden.

„Wir brauchen nicht jeden Sommer zwei Wochen lang einen nationalen Gefühlsausbruch. Wir brauchen eine konsequente Politik, zwölf Monate im Jahr. Feuerwehrleute hingegen machen nie Urlaub.“

Für Robert Ménard stellt die zunehmende Zahl der Brände mittlerweile eine ständige Herausforderung dar, auf die Frankreich mit mehr Voraussicht, Ressourcen und Entschlossenheit reagieren muss, und zwar weit über die Sommerereignisse hinaus.

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