Der Präsident der Republik, Emmanuel Macron, reist heute Abend nach Neukaledonien, kündigte Regierungssprecherin Prisca Thevenot an. Ziel dieses Besuchs ist die Einrichtung einer Regierungsmission in einem Kontext von Spannungen und Gewalt im Zusammenhang mit der Verfassungsreform.
Eine fragile Rückkehr zur Ruhe und Evakuierungen im Gange
Seit Beginn der Unruhen vor acht Tagen herrscht auf der Insel eine seit fast 40 Jahren beispiellose Gewaltsituation. Die von Separatisten kritisierte Verfassungsreform löste Unruhen aus, bei denen sechs Menschen ums Leben kamen, darunter zwei mobile Gendarmen. Als Reaktion darauf verhängten die Behörden den Ausnahmezustand und setzten mehr als 2700 Sicherheitskräfte ein.
Trotz Bemühungen zur Wiederherstellung der Ordnung bleibt die Lage angespannt. Es kommt immer wieder zu Vorfällen, etwa dem Brand eines Lagerhauses an der Straße zum internationalen Flughafen und der Plünderung eines Kulturzentrums in Doumbea. Einige große Geschäfte öffnen jedoch nach und nach wieder, sodass Lebensmittel und Medikamente wieder aufgefüllt werden können.
Evakuierung ausländischer Staatsangehöriger
Da der internationale Flughafen Nouméa bis Samstag für kommerzielle Flüge geschlossen ist, haben Australien und Neuseeland mit der Rückführung ihrer Staatsangehörigen begonnen. Mehrere Flüge sind bereits am Flughafen Magenta gelandet, um auf der Insel gestrandete Bürger zu evakuieren. Der neuseeländische Außenminister Winston Peters und seine australische Amtskollegin Penny Wong kündigten die Entsendung mehrerer Flugzeuge für diese Operation an.
Fortsetzung der Prüfung der Verfassungsreform
Trotz der Gewalt bestehen die lokalen Behörden auf der Notwendigkeit, den Entwurf des Verfassungsgesetzes, dessen Verabschiedung vor Ende Juni geplant ist, weiter zu prüfen. Nicht-unabhängige Politiker glauben, dass es ein schwerer Fehler wäre, angesichts der Randalierer nachzugeben. Das Reformprojekt sieht insbesondere die Freigabe der Wählerschaft für die Provinzwahlen vor, eine Maßnahme, die von den Separatisten angefochten wird, die eine Marginalisierung der Stimme der Kanak-Gemeinschaft befürchten.
Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen
Beim letzten Verteidigungsrat stellte Emmanuel Macron Fortschritte bei der Wiederherstellung der Ordnung fest. Er ordnete die Mobilisierung von Militärpersonal an, um öffentliche Gebäude zu schützen und die internen Sicherheitskräfte zu entlasten. Der Hohe Kommissar der Republik in Neukaledonien, Louis Le Franc, bestätigte eine allmähliche Verbesserung der Lage.
Zur gleichen Zeit sagte der Premierminister Gabriel Attal plant auch einen Besuch in Neukaledonien, allerdings erst nach den Europawahlen am 9. Juni.
Daher zielt die Reise von Emmanuel Macron darauf ab, die Stabilisierungsbemühungen zu stärken und das Engagement der französischen Regierung für die Lösung dieser komplexen Krise zu zeigen.