Schon zehn Jahre. 6. April 2016. Emmanuel Macron En Marche wurde wie ein in eine blockierte Maschine geworfener Geldschein ins Leben gerufen und versprach, „Blockaden“ zu beseitigen und die etablierte Ordnung aufzurütteln. Heute gleicht dieses parteiübergreifende Instrument eher einem Archipel als einer Kriegsmaschine. Seit 2022 und dem Fehlen einer absoluten Mehrheit in der Nationalversammlung lebt das Präsidentschaftslager im Rhythmus von Kompromissen, millimetergenau ausgehandelten Texten und Machtverhältnissen, die sich je nach Laune des Palais Bourbon ändern.
Renaissance, ehemals En Marche und später LREM, begeht dieses Jubiläum ohne großes Aufsehen. Die Partei wird nun von Gabriel Attal geführt, der 2024 das Amt übernahm, inmitten einer, wie es heißt, angespannten Atmosphäre mit dem Staatsoberhaupt. In seiner Botschaft an die Anhänger lobt der ehemalige Premierminister ein „waghalsiges Unterfangen“ und erwähnt Emmanuel Macron kaum – ein Detail, das viel über die aktuelle Stimmung aussagt. Selbst im Zentrum der Partei steht der Eigentümer nicht mehr unbedingt im Mittelpunkt.
Der Mittelblock, ein Spielplatz für Ambitionen
Im Umfeld von Renaissance halten die traditionellen Verbündeten Abstand. François Bayrous MoDem und Edouard Philippes Horizons arbeiten daran, ihre Präsenz zu stärken und ihre Unabhängigkeit zu behaupten – jede Partei mit eigenem Zeitplan und eigener Strategie für die Zeit nach 2027. Die anvisierte Wählerschaft überschneidet sich zwischen Mitte und Mitte-Rechts, doch die Methoden und Loyalitäten gehen auseinander. Die zum Regieren aufgestellte Ensemble-Koalition besteht zwar noch, gleicht aber einem Gerüst, in dem jeder Balken seine eigene Belastbarkeit testet.
Diese Zersplitterung hat unmittelbare politische Folgen. Reformen werden schrittweise, Text für Text, durch Zugeständnisse umgesetzt, die mitunter ein Gefühl der Unvollständigkeit hinterlassen. Die Spannungen zwischen wirtschaftlichen und sozialen Interessen, die bereits seit der zweiten Amtszeit des Präsidenten sichtbar sind, treten deutlicher hervor, werden beinahe offen zugegeben, während Rivalitäten innerhalb des Parteiapparats an Sichtbarkeit gewinnen. Es dauert nicht lange, bis eine relative Mehrheit regiert, ohne dass persönliche Ambitionen in politische Agenden umgesetzt werden.
Emmanuel Macron ruft regelmäßig zur Einheit auf, doch die Autorität eines Präsidenten, der 2027 nicht zur Wiederwahl antritt, hat nicht mehr dieselbe Anziehungskraft wie 2017, als alle an einem Strang zogen. Kommunalwahlen, gefolgt von der Präsidentschaftswahl, bringen neue Machtverhältnisse mit sich, und jeder überlegt sich seinen nächsten Schritt, seine Ausgangsposition, seinen Platz an der Macht. Der Mittelblock, einst durch Eroberungen geeint, tritt in eine Phase ein, in der die Distanz zwischen den Verbündeten gemessen wird und die Neuausrichtung selbst keine Anzeichen einer Verlangsamung zeigt.
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