Venezuela setzt seine Strategie der Öffnung für große internationale Energiekonzerne fort. Caracas hat Shell eine Lizenz zur Förderung und zum Export von Erdgas aus dem Offshore-Feld Loran vor der Nordostküste des Landes erteilt. Diese Entscheidung unterstreicht die schrittweise Rückkehr ausländischer Großkonzerne in einen Sektor, der lange Zeit durch US-Sanktionen und chronische Unterinvestitionen gelähmt war.
Das Loran-Feld gilt als eines der vielversprechendsten Gasprojekte der Region. Es verfügt über Gasreserven von rund 7 Billionen Kubikfuß und erstreckt sich teilweise in die Gewässer von Trinidad und Tobago. Shell plant, dieses Feld gemeinsam mit dem Dragon-Projekt zu erschließen, einem weiteren bedeutenden venezolanischen Feld mit geschätzten Reserven von fast 4,5 Billionen Kubikfuß. Ziel ist die Versorgung der Flüssigerdgas-Anlagen (LNG) in Trinidad und Tobago, dem wichtigsten Gasumschlagplatz der Karibik.
Die Rückkehr der großen westlichen Studios
Shells Einstieg ist Teil eines umfassenderen Trends, der Anfang des Jahres begann. BP unterzeichnete kürzlich Verträge für die Offshore-Felder Cocuina-Manakin und Loran, während Eni mehrere Ölprojekte im Orinoco-Gürtel wiederbelebte. Auch Repsol hat seine Präsenz im Land nach der Lockerung der US-Sanktionen verstärkt.
Seit der Reform des Kohlenwasserstoffgesetzes bemüht sich die venezolanische Regierung um die Anwerbung ausländischen Kapitals zur Modernisierung der Öl- und Gasindustrie, die im letzten Jahrzehnt einen Großteil ihrer Produktionskapazität verloren hat. Die neuen Bestimmungen ermöglichen eine stärkere Beteiligung privater Unternehmen an Energieprojekten – eine bedeutende Entwicklung für einen Sektor, der traditionell vom Staat dominiert wird.
Gas im Mittelpunkt der neuen Wirtschaftsstrategie
Venezuela besitzt zwar die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven, seine Gasvorkommen sind jedoch weitgehend unerschlossen. Viele Experten schätzen, dass aufgrund fehlender Infrastruktur und unzureichender Finanzierung Milliarden Kubikmeter Gas ungenutzt bleiben. Die Erschließung der Felder Loran und Dragon könnte dem Land erstmals ermöglichen, ein bedeutender Exporteur von Offshore-Gas in die regionalen Märkte zu werden.
Für Shell bedeutet diese Lizenz ein spektakuläres Comeback nach jahrelangem Rückzug. Die mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA unterzeichneten Abkommen umfassen zudem eine Produktionssteigerung in bestimmten Ölfeldern im Osten des Landes sowie Investitionen zur Reduzierung des Abfackelns von Erdgas. Caracas hofft nun, dass diese neue Welle ausländischer Investitionen zur langfristigen Wiederbelebung einer der historischen Säulen seiner Wirtschaft beitragen wird.
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