Der Iran steht nach der Wiedereinführung der UN-Sanktionen am Rande einer schweren Rezession. Die Verhandlungen über sein Atom- und Raketenprogramm sind weiterhin ins Stocken geraten. Der zunehmende internationale Druck verschärft die Wirtschaftskrise im Iran und schürt die wachsende soziale Wut im ganzen Land.
Laut Reuters-Berichten von Diplomaten zielen die Sanktionen auf mehrere strategische Sektoren ab, darunter Energie, Finanzen und Metallexporte. Sie sollen Teheran dazu zwingen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um die Urananreicherung zu begrenzen und seine Langstreckenraketen zu kontrollieren. Die iranische Regierung verurteilt die Entscheidung als „unfair und politisch motiviert“ und sagt, sie werde nur „den nationalen Widerstand stärken“.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits spürbar: Die Landeswährung verliert trotz einer kürzlich erfolgten Währungsreform weiterhin rapide an Wert, die Preise für Grundnahrungsmittel explodieren, und der Medikamentenmangel nimmt zu. Viele Iraner haben mittlerweile Mühe, ihre Grundbedürfnisse zu decken, während die Löhne stagnieren und die Jugendarbeitslosigkeit bei über 30 Prozent liegt.
Die soziale Lage wird zunehmend instabil. In mehreren Städten kam es in den letzten Wochen zu vereinzelten Demonstrationen gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und die Korruption der Elite. Die Behörden reagierten mit Massenverhaftungen und verschärften die Online-Zensur, um eine weitere groß angelegte Protestbewegung zu verhindern.
Angesichts dieser Krise versucht die herrschende klerikale Elite, ihre Legitimität zu wahren. Die Regierung von Präsident Abbas Araqchi, der kürzlich nach dem Rücktritt seines Vorgängers ernannt wurde, versucht, die Bevölkerung zu beschwichtigen und gleichzeitig ihre politische Kontrolle zu festigen. Doch ihr Handlungsspielraum ist begrenzt: Die Öleinnahmen brechen ein, ausländische Investitionen versiegen, und Sanktionen blockieren den Zugang zu den internationalen Finanzmärkten.
Analysten gehen davon aus, dass der Iran bei einer weiteren Verschlechterung der Wirtschaftslage den stärksten Wirtschaftseinbruch seit dem Ausstieg aus dem Atomabkommen von 2018 erleben könnte. Dieses Szenario könnte die internen Spannungen weiter verschärfen und die Islamische Republik auf der internationalen Bühne weiter isolieren.