Wachstum: Die französische Zentralbank wird ihre Prognosen für 2026 nach unten korrigieren.
Wachstum: Die französische Zentralbank wird ihre Prognosen für 2026 nach unten korrigieren.

Die französische Zentralbank (Banca de France) bereitet eine Absenkung ihrer Wirtschaftsprognose für 2026 vor. In seiner ersten öffentlichen Rede seit seinem Amtsantritt bestätigte der neue Gouverneur, Emmanuel Moulin, dass die Mitte Juni zu veröffentlichenden Wachstumsprognosen niedriger ausfallen werden als die im März veröffentlichten Schätzungen. Damals hatte die Zentralbank ein BIP-Wachstum von 0,9 % prognostiziert – eine Zahl, die nun angesichts erheblicher nationaler und internationaler wirtschaftlicher Unsicherheiten nach unten korrigiert wird.

Diese Revision spiegelt die Schwierigkeiten wider, mit denen die französische Wirtschaft seit Jahresbeginn konfrontiert ist. Emmanuel Moulin räumte ein, dass die ersten Monate des Jahres 2026 schwieriger als erwartet verlaufen seien, insbesondere nach der Veröffentlichung des BIP-Rückgangs von 0,1 % im ersten Quartal durch das INSEE. Obwohl der Gouverneur davon ausgeht, dass bestimmte Ausnahmesituationen zu dieser schwachen Entwicklung beigetragen haben, mahnt er aufgrund mehrerer Indikatoren für den Rest des Jahres zur Vorsicht.

Der Konsum ist immer noch zu gering

Zu den Hauptgründen zur Besorgnis zählt die anhaltende Schwäche des privaten Konsums. Trotz der in den letzten Monaten beobachteten Verlangsamung der Inflation halten sich die Franzosen weiterhin mit ihren Ausgaben zurück und bevorzugen in einem als unsicher geltenden wirtschaftlichen Umfeld das Sparen. Diese Konsumzurückhaltung wirkt sich unmittelbar auf die Aktivität vieler Sektoren aus, insbesondere auf den Einzelhandel, den Dienstleistungssektor und bestimmte, von der Binnennachfrage abhängige Industriezweige.

Der neue Gouverneur hob zudem die schwache Entwicklung der französischen Exporte im ersten Quartal hervor. Die Verschlechterung des Außenhandels trug zum Rückgang der Wirtschaftstätigkeit bei und spiegelt ein komplexeres internationales Umfeld wider. Die bei mehreren Handelspartnern Frankreichs beobachtete Konjunkturabschwächung sowie anhaltende geopolitische Spannungen belasten weiterhin den Welthandel und das Vertrauen der Unternehmen.

Höhere Inflation als erwartet

Neben dem Wachstum rechnet die französische Zentralbank auch mit einer höher als erwartet ausgefallenen Inflation. Emmanuel Moulin erklärte, die neuen Prognosen würden gleichzeitig „geringeres Wachstum und höhere Inflation“ ausweisen, wobei das genaue Ausmaß dieser Verschiebung von den verschiedenen Szenarien abhänge, die die Ökonomen der Zentralbank untersuchen. Diese Situation verkompliziert die wirtschaftlichen Aussichten für die kommenden Monate, da die Konjunkturabschwächung mit einem anhaltenden Preisanstieg in bestimmten Sektoren zusammenfallen könnte.

Das internationale Umfeld spielt bei dieser Revision ebenfalls eine bedeutende Rolle. Steigende Energiepreise aufgrund von Spannungen im Nahen Osten, Unsicherheiten im Welthandel und Lieferengpässe in bestimmten Branchen verstärken das Inflationsrisiko. Diese Faktoren erschweren die Wirtschaftsprognose insbesondere für Zentralbanken und Finanzinstitute.

Der IWF und die Regierung sind bereits vorsichtiger geworden.

Die französische Zentralbank ist nicht die einzige, die ihre Prognose nach unten korrigiert hat. Der Internationale Währungsfonds hatte seine Wachstumsprognose für Frankreich im Jahr 2026 bereits im Mai von 0,9 % auf 0,7 % gesenkt. Auch die französische Regierung passte Mitte April ihr Wirtschaftsszenario an und reduzierte ihr Wachstumsziel von zuvor 1 % auf 0,9 %.

Die übereinstimmenden Analysen deuten auf eine deutlichere Abschwächung hin als noch vor wenigen Monaten erwartet. Frankreich dürfte zwar eine Rezession vermeiden, doch die Erholungsaussichten erscheinen angesichts des schwachen Wachstums und des geringeren fiskalischen Spielraums zur weiteren Stützung der Wirtschaft nun begrenzter.

Die Prioritäten des neuen Gouverneurs

Nachdem er erst vor wenigen Tagen die Leitung der französischen Zentralbank übernommen hatte, nutzte Emmanuel Moulin seine erste öffentliche Rede, um die Kernpunkte seines Mandats zu bekräftigen. Er hob insbesondere die Geldpolitik, die europäische Finanzsouveränität und die Stabilität des Finanzsystems als zentrale Prioritäten für die kommenden Jahre hervor.

Aufgrund der Zurückhaltung im Vorfeld der Sitzung der Europäischen Zentralbank in dieser Woche lehnte der Gouverneur eine Stellungnahme zu künftigen geldpolitischen Entscheidungen ab. Die Finanzmärkte verfolgen die anstehenden Ankündigungen der EZB jedoch weiterhin aufmerksam, da sich die Wachstumsaussichten in mehreren europäischen Volkswirtschaften, darunter Frankreich, allmählich verschlechtern.

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