Straßburg: Osteopath wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung von 22 Patientinnen vor Gericht
Straßburg: Osteopath wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung von 22 Patientinnen vor Gericht

Der Prozess gegen einen 37-jährigen Osteopathen beginnt am Montag vor dem Strafgericht Bas-Rhin in Straßburg. 22 Frauen haben Zivilklagen eingereicht und werfen dem Arzt vor, sie während Behandlungen in seiner Praxis in der Straßburger Eurometropolis vergewaltigt oder sexuell missbraucht zu haben. Dem Angeklagten, der gegen Kaution auf freiem Fuß ist, drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Laut den Klägern fanden die Vorfälle unter dem Deckmantel therapeutischer Maßnahmen statt. Ihr Anwalt betont, dass die Frage des „therapeutischen Vertrauensverhältnisses“ im Mittelpunkt des Verfahrens stehen wird, da die Patienten sich in Anwesenheit eines Arztes oder einer anderen medizinischen Fachkraft in eine verletzliche Lage gebracht sahen. Der Osteopath weist alle Anschuldigungen zurück. Sein Anwalt beteuert, dass den mutmaßlichen Handlungen „kein sexueller Bezug“ zugrunde lag und spricht von lediglich „beruflichem Fehlverhalten“.

Eine erweiterte Untersuchung auf der Grundlage mehrerer Zeugenaussagen

Der Fall begann mit einer Beschwerde aus dem Jahr 2018, in der eine Patientin angab, der Behandler habe ihr während einer Behandlung unter die Kleidung gefasst. Nach mehreren weiteren Meldungen ab 2020 weiteten die Ermittler ihre Untersuchungen aus. Ein Fragebogen, der an alle 470 in den Patientenakten der Praxis geführten Patienten verschickt wurde, ergab eine deutlich höhere Anzahl mutmaßlicher Opfer. Einige berichteten von unangemessenen Berührungen, andere von digitaler Vergewaltigung.

Die Verhandlung wird voraussichtlich bis zum 12. Juni öffentlich stattfinden. Die Kläger hoffen, dass das Verfahren die Verantwortung des Angeklagten feststellt und weitere mögliche Opfer ermutigt, sich zu melden. Gegen den Arzt, gegen den seit über vier Jahren ermittelt wird, ist es ihm seit Beginn des Verfahrens untersagt, Osteopathie auszuüben.

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