Eine Schusswunde, keine Zeugen, zwei Männer allein in einer Wohnung in Longeville-lès-Metz (Moselle) und ein Revolver, der in den Händen eines Dritten wieder auftaucht. Das Rätsel um den Tod von David Georges im November 2022 beschäftigt Ermittler und Richter weiterhin so sehr, dass die Justiz nun gezwungen ist, im Prozess nach der Wahrheit zu suchen. Trotz Expertengutachten und monatelanger Ermittlungen gibt es bis heute keine Gewissheit, die eine Entscheidung zwischen Selbstmord und Mord zulässt. Der Kontext dieser tragischen Nacht ist einzigartig. Zwei Freunde, Kollegen einer bekannten Fahrschule im Moselle-Gebiet, hatten sich angewöhnt, sich bei einem Pizza- und Whisky-Abend zu treffen, um ihre Liebeskummer zu teilen. Am 5. November endete das Treffen mit dem Tod eines der beiden. Der andere, der Eigentümer der Wohnung, rief den Notdienst und behauptete, hilflos Zeuge des Selbstmords seines Freundes geworden zu sein, der sich angeblich vor seinen Augen das Leben genommen hatte.
Ein Szenario mit variabler Geometrie
Der den Ermittlern vorgetragene Bericht zeichnet ein brutales, aber stummes Bild: kein Kampf, wenige verdächtige Spuren, eine fehlende Schusswaffe, die der Zeuge angeblich auf posthumen Wunsch in einen Fluss geworfen hatte. Diese Version ist jedoch in mehreren Punkten fragwürdig. Die Waffe wurde nicht dort gefunden, wo sie hätte sein sollen, sondern in den Händen eines Bekannten des Angeklagten, der verdächtigt wird, die Beweise unterschlagen zu haben. Die Ungereimtheiten häufen sich: Schreie von Nachbarn, verstörende Selfies auf dem Handy des Angeklagten, die einen inszenierten bewaffneten Angriff zeigen, und ein erschreckendes Foto aus dem vermeintlichen Moment der Tragödie, auf dem die Leiche des Opfers bereits zu sehen ist. Obduktionsberichte bestätigen zwar einen Schuss aus nächster Nähe, bleiben aber hinsichtlich der Schussquelle unklar. Die Hypothese eines Motivs fehlt noch immer, und das Porträt eines als depressiv dargestellten Opfers findet bei ihren Angehörigen keinen Anklang. Zu Prozessbeginn herrschen Zweifel. Kein Beweis ist wirklich schlüssig, keine Spur wurde vollständig ausgeschlossen. Die Jury steht nun vor der schwierigen Aufgabe, zwischen einer tragischen Inszenierung und einer Hinrichtung unter dem Deckmantel der Freundschaft zu entscheiden. Das Urteil muss zwischen Schweigen und einem Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit unklaren Grenzen unterscheiden. Der Prozess vor dem Mosel-Assize-Gericht in Metz wird voraussichtlich bis zum 26. Juni dauern.