Marie-Thérèse Garcia, 79, steht vor dem Schwurgericht Yvelines wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Mord an ihrer ehemaligen Schwägerin Corinne Di Dio. Der Fall, der bis ins Jahr 1995 zurückreicht, ist einer der ältesten noch anhängigen Kriminalfälle in Frankreich. Die zerstückelte Leiche des Opfers wurde in einem Metallkoffer auf der Seine im Département Eure gefunden.
Am zweiten Verhandlungstag stand die Persönlichkeit der Angeklagten im Mittelpunkt. Von einigen ihrer Vertrauten wurde sie als autoritäre Frau beschrieben, die mitunter verbal und körperlich gewalttätig wurde. Sie trug den Spitznamen „Ma Dalton“, in Anlehnung an die Comicfigur Lucky Luke. Andere Mitglieder ihres Umfelds hingegen zeichneten das Bild einer großzügigen, ihrer Familie ergebenen Frau und nannten sie sogar „Oma Schatz“.
Ein Fall, der nach mehreren Jahren wieder aufgenommen wurde
Marie-Thérèse Garcia, geboren 1946 in Montrouge, lebte viele Jahre in Saint-Hilarion im Département Yvelines. Dort betreute sie regelmäßig Kinder ihrer Großfamilie, darunter auch Romain, den Sohn von Corinne Di Dio. Laut Anklage wurde der Mord in diesem Ort begangen. Die Angeklagte bestreitet jedoch weiterhin jegliche Beteiligung.
Die Ermittlungen verliefen mit vielen Wendungen. Zweimal wurden die Verfahren im Jahr 2000 und dann 2008 eingestellt, bevor der Fall 2012 wieder aufgenommen wurde. Die Wiederaufnahme der Ermittlungen erfolgte aufgrund von Aussagen einer Enkelin von Marie-Thérèse Garcia, die angab, in ihrer Kindheit Zeugin einer besonders brutalen Szene gewesen zu sein, bei der eine Frau in Stücke geschnitten wurde.
Familienrivalitäten stehen im Mittelpunkt des Falls
Das Verfahren verdeutlichte auch die Spannungen innerhalb der Familie. Im Mittelpunkt stand insbesondere das Verhältnis zwischen der Angeklagten und ihrer Tochter Nancy. Marie-Thérèse Garcia behauptet, 2004 Opfer eines Mordanschlags geworden zu sein, bei dem angeblich eine Granate unter ihrem Auto platziert wurde – eine Darstellung, die ihre Tochter bestreitet.
Während der Anhörung wurden auch mehrere komplexe Liebesbeziehungen thematisiert. Die Staatsanwaltschaft interessiert sich insbesondere für die Verbindungen zwischen den verschiedenen Mitgliedern der Familie Márquez Gómez. Eine Beziehung zwischen Corinne Di Dio und Francisco Márquez Gómez soll Spannungen geschürt haben, die laut Ermittlern ein mögliches Eifersuchtsmotiv erklären könnten.
Eine angeklagte Frau, geschwächt durch Alter und Krankheit
Vor Gericht präsentierte sich Marie-Thérèse Garcia als körperlich beeinträchtigte Frau. Sie war über drei Jahre im Gefängnis von Versailles inhaftiert und gab an, an zahlreichen gesundheitlichen Problemen zu leiden, darunter Bluthochdruck, Arthritis, Schwindel und mehrere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie erschien mit einer Armschlinge, nachdem sie sich das Handgelenk gebrochen hatte.
Ihre Anwälte betonen regelmäßig ihren Gesundheitszustand und weisen darauf hin, dass sie zu den ältesten Gefangenen Frankreichs gehört. Trotz mehrerer Anträge auf Freilassung vor Prozessbeginn hat das Gericht ihre Untersuchungshaft aufrechterhalten. Die Anhörungen werden voraussichtlich in den kommenden Tagen fortgesetzt, um die Umstände dieses über dreißig Jahre alten Strafverfahrens aufzuklären.
Gemeinschaft
Bemerkungen
Die Kommentarfunktion ist geöffnet, aber vor Spam geschützt. Beiträge und Kommentare mit Links werden manuell geprüft.
Sei der Erste, der diesen Artikel kommentiert.