Die Mutter der elfjährigen Rosa hat rechtliche Schritte gegen den Staat eingeleitet, nachdem sie im August 2025 Anzeige wegen Vergewaltigung ihrer Tochter durch Jérôme Barella erstattet hatte, der nun als Hauptverdächtiger im Fall Lyhanna gilt. Gemeinsam mit ihrem Anwalt kündigte sie eine Klage wegen grober Fahrlässigkeit sowie ein Strafverfahren gegen die Ermittlungen der Beamten, der Richter und des Justizministeriums an.
Eine Beschwerde wurde bereits im August 2025 eingereicht.
Rosas Mutter erstattete am 22. August 2025 Anzeige. Das damals zehnjährige Kind wurde fünf Tage später befragt und berichtete von mutmaßlichen Vergewaltigungen, die zwischen September 2024 und Mai 2025 im Haus von Jérôme Barella in der Region Gers stattgefunden haben sollen. Anschließend wurden forensische und psychologische Untersuchungen durchgeführt.
Der Verdächtige war noch immer nicht vernommen worden.
Der Fall war zwischen mehreren Staatsanwaltschaften hin- und hergereicht worden, bevor er im Januar 2026 an die Gendarmerie von Lectoure übergeben wurde. Zum Zeitpunkt von Lyhannas Verschwinden liefen die Ermittlungen noch, und Jérôme Barella war noch nicht im Rahmen des Verfahrens befragt worden. Dieser Punkt ist nun zentral für die angekündigte Klage gegen den Staat.
Zwei Verfahren angekündigt
Der Anwalt von Rosas Mutter, Pierre Debuisson, kündigte zwei separate Klagen an: eine Zivilklage gegen den Staat wegen grober Fahrlässigkeit und ein Strafverfahren wegen unterlassener Hilfeleistung und Gefährdung anderer. Die Verfahren richten sich gegen die Ermittler und Richter, die an dem Fall gearbeitet haben, sowie gegen das Justizministerium.
Lyhanna wurde tot in einem Silo aufgefunden.
Die elfjährige Lyhanna verschwand am 29. Mai in Fleurance, Gers. Ihre Leiche wurde am 4. Juni in einem alten landwirtschaftlichen Silo in Puycasquier gefunden. Die Identifizierung erfolgte durch einen DNA-Vergleich, die Todesursache blieb jedoch nach den ersten gerichtsmedizinischen Untersuchungen ungeklärt.
Jérôme Barella ist Gegenstand mehrerer Gerichtsverfahren.
Jérôme Barella, 41, wurde im Fall Lyhanna formell angeklagt. Er wird in mehreren früheren Verfahren und Berichten erwähnt, unter anderem wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Einige Verfahren wurden eingestellt, andere dauern noch an. Insgesamt wird er nun in mindestens neun separaten Verfahren erwähnt.
Die Regierung steht unter Druck
Angesichts der nationalen Emotionen Sébastien Lecornu trifft sich diesen Dienstag Mehrere Minister treffen sich, um über Kinderschutz und sexuelle Gewalt zu beraten. Die Regierung möchte die Überprüfung eines umfassenden Gesetzentwurfs zu geschlechtsspezifischer und sexueller Gewalt beschleunigen und den Gesetzentwurf zum Kinderschutz um neue Maßnahmen ergänzen. Zu den diskutierten Vorschlägen gehören härtere Strafen für Serienvergewaltigung, Änderungen der Verjährungsfristen, verbesserte Information von Opfern während des gesamten Gerichtsverfahrens sowie die Pflicht zur Angabe von Gründen für die Einstellung von Verfahren wegen Sexualdelikten.
Die Justiz ist aufgerufen, zu reagieren.
Der Fall Lyhanna ist nun auch Rosas Fall. Die von ihrer Mutter eingereichte Klage zielt darauf ab, zu klären, warum eine im Sommer 2025 eingeleitete Untersuchung nicht dazu führte, dass der Verdächtige vor Lyhannas Tod befragt wurde. Über den Strafprozess hinaus wird die Funktionsfähigkeit des Justizsystems und der Schutz von Kindern grundsätzlich infrage gestellt.