Mindestens neun Gerichtsverfahren wurden inzwischen im Zusammenhang mit dem 41-jährigen Jérôme Barella identifiziert, gegen den bereits vor dem Tod der elfjährigen Lyhanna, die in der Region Gers tot aufgefunden wurde, mehrere Anzeigen und Beschwerden vorlagen. Zu den bereits bekannten Fällen kommen vier neue hinzu: die Anzeige von Rosas Eltern, der Fall Béthune, eine Entlassung aufgrund unangemessenen Verhaltens an einer High School sowie eine als einvernehmlich dargestellte Beziehung mit einer Minderjährigen. Zusammen mit dem Fall Lyhanna erhöht sich die Zahl der Verfahren oder Fälle im Zusammenhang mit Jérôme Barella auf neun.
Unbeantwortete Warnungen
Der Mann war bereits Gegenstand unabhängiger Berichte im Zusammenhang mit Lyhannas Verschwinden gewesen. Berichten zufolge wurden mehrere Anzeigen und Warnungen erstattet, bevor der Fall öffentlich wurde. Diese führten jedoch bis dato nicht zu einer Anklage gegen Jérôme Barella. Genau hier liegt nun der Fokus: Wie konnten so viele Fälle unentdeckt bleiben, ohne dass vor der Tragödie eine ausreichend entschiedene rechtliche Reaktion erfolgte?
Darmanin beruft die Staatsanwälte ein.
Angesichts des Ausmaßes der Kontroverse bestellte Gérald Darmanin heute Vormittag die Staatsanwälte ins Justizministerium ein. Der Justizminister wird um 10:30 Uhr zudem eine Pressekonferenz abhalten. Er kündigte an, die Staatsanwälte mit der Überprüfung aller Anzeigen gegen Kinder zu beauftragen. Rund 70.000 Fälle sollen betroffen sein; die Überprüfung soll bis zum 14. Juli abgeschlossen sein.
Ein massiver weißer Marsch für Lyhanna
Am Sonntag nahmen mehrere Tausend Menschen in Fleurance, einer ländlichen Stadt im Département Gers, an einem stillen Trauermarsch für Lyhanna teil. Die Präfektur schätzte die Teilnehmerzahl auf rund 6.000. Hinter den Eltern und dem Bruder des Mädchens versammelt, bildeten die Trauernden einen Trauerzug, der von tiefer Trauer und Wut geprägt war. Die Gemeinde ist vom Tod des Kindes weiterhin schwer getroffen.
Kundgebungen vor den Gerichten geplant
Heute Abend um 19 Uhr rufen mehrere Verbände und Kinderrechtsorganisationen zu Demonstrationen vor dem Justizministerium in Paris und vor Gerichten im ganzen Land auf. Ziel dieser Kundgebungen ist es, die Mängel des Justizsystems anzuprangern und einen besseren Schutz für Kinder zu fordern. Organisiert werden sie von Bürgerinnen und Bürgern, lokalen Gruppen und Kinderrechtsvereinen.
Die Justiz ist nun gefordert, zu erklären, was getan wurde, was nicht getan wurde und warum.