Einer der größten Finanzfälle in der Geschichte Martiniques kommt vor Gericht. Ab diesem Montag befasst sich das Strafgericht in Fort-de-France mit dem Kern des Veruntreuungsfalls bei der Gebietskörperschaft Martinique. Es handelt sich um einen Betrug in Höhe von schätzungsweise über 3,2 Millionen Euro, der für Menschen mit Behinderungen bestimmte Hilfsgelder betraf.
Sechs Angeklagte, die als Hauptbeteiligte in dem Fall gelten, werden zu dieser mit Spannung erwarteten Anhörung erscheinen. Unter ihnen befinden sich eine ehemalige CTM-Mitarbeiterin, die im Verdacht steht, die Machenschaften organisiert zu haben, ihre engen Vertrauten und ein Bankberater. Die Ermittlungen betreffen den Verdacht der Veruntreuung öffentlicher Gelder, Urkundenfälschung, Geldwäsche und Hehlerei.
Millionen von Euro aus der Behindertenhilfe
Den Ermittlungen zufolge wurden die Gelder mutmaßlich zwischen 2019 und 2024 innerhalb der Direktion für Autonomie des CTM veruntreut, die unter anderem für die Verwaltung der Leistungen bei Erwerbsunfähigkeit (PCH) zuständig ist. Die Ermittler beschreiben ein System, das auf gefälschten Akten, nachgemachten Dokumenten und betrügerischen Überweisungen an verschiedene beteiligte Leistungsempfänger beruht.
Ein Teil des veruntreuten Geldes soll für einen außergewöhnlich verschwenderischen Lebensstil verwendet worden sein: Fahrzeuge, Luxusausgaben, diverse Anschaffungen und umfangreiche Banktransaktionen sind in der Gerichtsakte detailliert aufgeführt. In den letzten Wochen wurden bereits mehrere Verurteilungen im Rahmen von Geständnissen ausgesprochen, die zu Bewährungsstrafen, Geldstrafen und der Einziehung von Vermögenswerten führten.
Ein Fall, der in Martinique für großes Aufsehen gesorgt hat.
Der Fall hat aufgrund der schieren Höhe der veruntreuten Gelder und ihrer Herkunft – öffentliche Hilfen für bedürftige Personen – die politische und institutionelle Landschaft der Insel erschüttert. Die CTM selbst erstattete Anzeige, nachdem sie Ende 2024 im Zuge interner Untersuchungen Unregelmäßigkeiten aufgedeckt hatte.
Dieser Prozess soll es der Justiz nun ermöglichen, die genauen Verantwortlichkeiten der Hauptangeklagten zu ermitteln und zu verstehen, wie ein solches System jahrelang unentdeckt funktionieren konnte. Auf Martinique gilt dieser Fall bereits als einer der größten Finanzskandale der letzten Jahre.
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