Im elsässischen Dorf Hagenbach mit seinen 800 Einwohnern spielte sich die Szene wie ein Albtraum ab. Ein neunjähriger Junge wurde vor einer Woche in einem Lieferwagen gefunden, der in einem Hof geparkt war, nur wenige Meter vom geschäftigen Treiben des Alltags entfernt. Ein Anwohner, der durch „Kindergeräusche“ aufmerksam geworden war, verständigte die Polizei. Der Rest ist leider alles andere als harmlos.
Am Freitag machte die Staatsanwaltschaft Mulhouse den Fall öffentlich. Am Montag, dem 13. April, gab sie bekannt, dass der 43-jährige Vater, dem „schwere Entführung und Kindesentführung“ vorgeworfen wird, auf Antrag der Staatsanwaltschaft für ein Jahr in Untersuchungshaft genommen wurde. Staatsanwalt Nicolas Heitz präzisierte, dass der Ort der Untersuchungshaft nicht bekannt gegeben werde.
Ein Innenhof, ein Lieferwagen, ein Kind: die erschreckende Entdeckung
Was die Soldaten vorfanden, waren Worte, die man kaum beschreiben kann, so unvorstellbar war der Anblick: ein Kind, „blass und deutlich unterernährt“, „nackt in Fötusstellung liegend“, mit einer Decke bedeckt, inmitten von Müll und Exkrementen. Der Junge konnte nicht mehr laufen, eine Folge des langen Sitzens. Er wurde ins Krankenhaus nach Mulhouse gebracht, wo er sich laut Staatsanwaltschaft weiterhin in einem sicheren Zustand befindet.
In seinen ersten Aussagen erklärte das Kind den Ermittlern, dass die Partnerin seines Vaters ihn nicht mehr in der Wohnung haben wollte und ihn in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen wollte. Laut seiner Aussage sperrte ihn sein Vater Ende 2024, als er sieben Jahre alt war, in den Lieferwagen, um eine Einweisung zu verhindern. Der Vater gestand die Anklagepunkte Freiheitsberaubung und Vernachlässigung. Die 37-jährige Partnerin wurde wegen unterlassener Hilfeleistung gegenüber einem Kind unter 15 Jahren in Gefahr und wegen unterlassener Meldung von Missbrauch angeklagt und anschließend unter gerichtliche Aufsicht gestellt.
Die Ermittlungen laufen nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter, und eine Frage schwebt über dem gesamten Fall: Wer wusste Bescheid, wer hat es gesehen, wer hat geschwiegen? Der Staatsanwalt betont die Notwendigkeit, „den Grad der Verantwortung jedes Einzelnen“ zu ermitteln und festzustellen, ob weitere Personen von der Situation wussten, ohne Hilfe zu leisten. In solchen Fällen mahlen die Mühlen der Justiz langsam, doch das Dorf wird einen einfachen Lieferwagen nie wieder mit denselben Augen sehen.
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