Nach dem Tod des elfjährigen Mädchens wird das französische Justizsystem weniger wegen individuellen Versagens als vielmehr wegen mangelnder Ressourcen kritisiert.

Fall Lyhanna: Richter und Anwälte prangern ein strukturelles Ressourcenproblem an
Fall Lyhanna: Richter und Anwälte prangern ein strukturelles Ressourcenproblem an

Der Tod der elfjährigen Lyhanna, die nach mehrtägiger Suche in einem verlassenen Silo in der Region Gers gefunden wurde, hat die Spannungen um die Funktionsweise der französischen Justiz verschärft. Mehrere Anzeigen gegen den Hauptverdächtigen blieben unbeantwortet, woraufhin Justizminister Gérald Darmanin systemische Mängel einräumte und für Montagmorgen eine Sitzung der Generalstaatsanwälte einberief. Für Juristen reicht das Problem jedoch weit über den Fall eines einzelnen Staatsanwalts oder einer einzelnen Staatsanwaltschaft hinaus.

Es wurde auf einen chronischen Ressourcenmangel hingewiesen.

Marie-Suzanne Le Quéau, die Staatsanwältin am Pariser Berufungsgericht, bekräftigte am Donnerstag in den Fernsehsendern BFMTV und RMC eine seit Langem bestehende Tatsache: Die Justiz leidet unter chronischem Ressourcenmangel. Diese Einschätzung teilt auch die Anwältin Chantal Corbier, die davor warnt, einzelne Staatsanwälte zu sanktionieren, um ein systemisches Versagen zu verschleiern. Die beiden größten Richtergewerkschaften stimmen dem zu und fordern strukturelle Lösungen anstelle gezielter Sanktionen.

Der Umgang der Justiz mit Fällen von sexueller Gewalt gegen Minderjährige steht im Mittelpunkt der in diesem Fall aufgeworfenen Fragen. Gewerkschaften fordern, dass das Justizsystem mit Ressourcen ausgestattet wird, die den Herausforderungen gerecht werden, um ein erneutes Auftreten solcher Tragödien zu verhindern. Es geht mittlerweile um mehr als nur das Eingeständnis vereinzelter Versäumnisse: Angesichts der schieren Anzahl von Kinderschutzfällen ist eine Reform des gesamten Justizsystems dringend erforderlich.

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