Angesichts dessen, was sie als versuchte Erpressung mit einem Sextape bezeichnet, hat Ayem Nour eine radikale und beispiellose Reaktion gewählt. Die ehemalige Teilnehmerin der Reality-Show „Secret Story“, die heute als Fernsehmoderatorin, Kolumnistin und Influencerin tätig ist, hat beschlossen, die intimen Videos, um die es in den Drohungen geht, selbst zu veröffentlichen. Damit will sie die Kontrolle über ihr Image zurückgewinnen und ihrem Erpresser jegliche Möglichkeit nehmen, Druck auszuüben.
Der Fall begann Ende Juli, als die 37-Jährige aus Lyon auf Instagram enthüllte, dass sie von jemandem bedroht wurde, der sexuell explizites Material über sie veröffentlichen wollte. Mit Screenshots als Beweismittel bekräftigte Ayem Nour, dass sie sich keiner Forderung beugen und rechtliche Schritte einleiten werde.
Wenige Tage später handelte sie. Am Montagabend lud die ehemalige Moderatorin von Mad Mag die Videos selbst auf die kostenpflichtige Plattform MYM hoch. „Niemand wird an mir verdienen. Ich werde es selbst tun“, erklärte sie vor der Veröffentlichung der Videos, in der Überzeugung, dass sie sich durch diese Entscheidung jeglicher Macht beraubt fühlte.
Auf ihren Social-Media-Kanälen teilte Ayem Nour außerdem neue Nachrichten, die ihrem mutmaßlichen Erpresser zugeschrieben werden. Er schrieb ihr unter anderem: „Du kannst so viele Anzeigen erstatten, wie du willst (...). Ich werde die andere, die ich gegen dich habe, veröffentlichen.“ Die Influencerin reagierte entschieden auf diese Drohung: „Du kannst hier niemanden mehr einschüchtern. Hier ist dein Video und noch vieles mehr.“
Diese Strategie, die in solchen Fällen selten Anwendung findet, zielt laut ihrer Aussage darauf ab, jeglichen kommerziellen Wert der als Nötigungsmittel verwendeten Inhalte zu eliminieren. Sie kommt zu einer Zeit, in der Fälle von Sextortion in sozialen Medien zunehmen und sowohl anonyme Einzelpersonen als auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens betreffen.
In den sozialen Medien löste diese Entscheidung zahlreiche Reaktionen aus. Während einige Nutzer sie als Mittel zur Wiedererlangung der Kontrolle angesichts der Erpressung lobten, vermuteten andere einen PR-Gag. Die ehemalige Moderatorin weist diese Hypothese entschieden zurück und bezeichnet die Anschuldigungen als ungerechtfertigt. Sie beteuert, selbst Opfer eines Verbrechens zu sein.
Auf juristischer Ebene kündigte Ayem Nour ihre Absicht an, Anzeige zu erstatten. Laut Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft gegenüber Le Parisien war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels jedoch noch keine Anzeige eingegangen, ohne dass dies eine mögliche spätere Erstattung ausschließen würde.
Nach französischem Recht bleibt der Versuch der Erpressung oder Sextortion eine Straftat, unabhängig davon, ob das Opfer die betreffenden Inhalte später veröffentlicht oder nicht.
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