Unter der kalifornischen Sonne, die so viele seiner Songs inspirierte, starb Brian Wilson, Mitbegründer der Beach Boys und eine bedeutende Persönlichkeit des amerikanischen Pop, im Alter von 82 Jahren und hinterließ eine große Lücke. In Malibu, wo für die legendäre Gruppe alles begann, strömen die Trauerfeiern am Strand von Paradise Cove, dem symbolträchtigen Schauplatz ihres Debütalbums „Surfin' Safari“, in die Geschichte ein.
Ein emotionaler Abschied von den Gründungsorten
Vor der dezenten Gedenktafel in Paradise Cove, die an die Anfänge der Band erinnert, zollen Fans ihren Respekt. Für den 61-jährigen Brad waren die Beach Boys die amerikanischen Beatles. Der Kalifornier sagt, er sei Brian Wilson dankbar, den er als „Genie“ beschreibt, „das in der Lage war, ein Symphonieorchester in drei Minuten Surf-Pop zu packen“. Michelle und Carol, zwei Jugendfreundinnen aus Wilsons Generation, sitzen auf einem Liegestuhl und sehen in ihm „den Sound sanfterer Zeiten“. „Sein Tod ist das Ende einer Ära“, atmet Carol.
Ganz in der Nähe erzählt JJ, der Manager des Beach Cafés, dass er Brian Wilson kürzlich wiedergesehen habe. Geschwächt im Rollstuhl war er gekommen, um den Ort seiner Jugend wiederzubesuchen: „Er saß mit Blick aufs Meer. Wir spielten God Only Knows und Wouldn't It Be Nice. Er lächelte. Es war wie ein endgültiger Abschied.“
Die Musikwelt trauert
In den Stunden nach der Bekanntgabe hagelte es eine Flut von Ehrungen. Für Bob Dylan war Brian Wilson schlicht „ein Genie“. Nancy Sinatra, die mit ihm „California Girls“ gesungen hatte, pries Musik, „die ewig leben wird“. Ringo Starr wünschte seiner Familie „Frieden und Liebe“. Selbst Ronnie Wood von den Rolling Stones, am Boden zerstört durch den gleichzeitigen Tod von Sly Stone, sprach von einer dunklen Woche für die Musik.
Das Wort fällt immer wieder: Genie. Für John Cale, Mitbegründer von Velvet Underground, hatte Wilson dem Pop „eine nie zuvor gesehene Raffinesse verliehen“. Und Sean Ono Lennon brachte die Emotionen einer ganzen Generation auf den Punkt, indem er ihn „den amerikanischen Mozart“ nannte und hinzufügte: „Nur wenige Menschen haben mich so beeinflusst wie er.“
Das Vermächtnis eines gebrochenen und visionären Mannes
Brian Wilson, oft als gequälter Geist und absolutes Gehör der Beach Boys dargestellt, fand in der Musik Zuflucht vor seiner von der Gewalt seines Vaters geprägten Kindheit. Obwohl er auf einem Ohr taub war, komponierte er dennoch Vokalharmonien von seltener Komplexität und schuf Meisterwerke wie „Pet Sounds“, das selbst die Beatles bewunderten.
Obwohl er an einer psychischen Erkrankung litt und jahrelang einsam war, gelang es ihm dennoch, spät am Tag zurückzukehren und das legendäre Album „Smile“ fertigzustellen, das seit den 60er Jahren unvollendet blieb. „Er hat gelitten, aber er hat diesen Schmerz in Schönheit verwandelt“, kommentierte der Produzent.