Sonny Rollins, der letzte Gigant des goldenen Zeitalters des Jazz, ist im Alter von 95 Jahren gestorben.
Sonny Rollins, der letzte Gigant des goldenen Zeitalters des Jazz, ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

Ein Kapitel Jazzgeschichte ist zu Ende gegangen. Sonny Rollins verstarb am Montag, dem 25. Mai, im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Woodstock, New York, wie sein offizieller X-Account mitteilte. „Mit tiefer Trauer und großer Liebe geben wir den Tod von Sonny Rollins bekannt“, hieß es dort. Theodore Walter Rollins, geboren am 7. September 1930 in New York City, galt als einer der letzten, wenn nicht sogar der letzte große Musiker des goldenen Zeitalters des Jazz. Die Wurzeln seiner Eltern auf den Amerikanischen Jungferninseln prägten sein Spiel mit einer besonderen Freiheit, die er voll auslebte – insbesondere in „Saint Thomas“, seinem bekanntesten Stück, das auf einem Calypso aus seiner Kindheit basiert.

Von der Williamsburg Bridge nach Indien: Ein Leben voller musikalischer Suche

Aufgewachsen in Harlem, dem Herzen der afroamerikanischen Kultur, machte er im Januar 1949 mit gerade einmal 18 Jahren seine erste Aufnahme und spielte schon bald mit Miles Davis, Charlie Parker und Thelonious Monk. Sein Album „Saxophone Colossus“ (1956), das erschien, als er erst 26 war, brachte ihm den Spitznamen „der Koloss“ ein. Doch vielleicht ist es seine Fähigkeit zur radikalen Selbstreflexion, die seinen Werdegang am besten beschreibt. 1959, auf der Flucht vor dem aufkeimenden Ruhm, ließ er sich auf der Williamsburg Bridge, die Brooklyn mit Manhattan verbindet, nieder und spielte drei Jahre lang Tag und Nacht bei Wind und Wetter. Aus dieser Erfahrung entstand das Album „The Bridge“ (1962). 1966 brach er erneut auf – diesmal nach Japan, dann zu einem Ashram in Indien, nur mit einer Tasche und seinem Saxophon im Gepäck. „Ich bin noch am Leben, weil ich immer noch lerne“, sagte er 2016 gegenüber AFP und führte seine Langlebigkeit auf Yoga zurück, das ihn vor Alkohol und Drogen bewahrt habe.

Freedom Suite, 11. September und ein letztes Album im Jahr 2006

Sonny Rollins trennte seine Kunst nie von ihrer Zeit. 1958, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung, veröffentlichte er „Freedom Suite“, ein über 19-minütiges Album mit politisch brisanten Texten, die für die damalige Zeit mutig waren. 2001 verließ er seine New Yorker Wohnung, nur wenige Blocks vom World Trade Center entfernt. Vier Tage nach den Anschlägen stand er in Boston auf der Bühne und verarbeitete seine ganze Trauer – ein Konzert, das 2005 unter dem Titel „Without a Song: The 9/11 Concert“ veröffentlicht wurde. Seine Frau und Managerin Lucille, mit der er fast 40 Jahre zusammen war, starb im November 2004. Sonny Rollins veröffentlichte sein letztes Album 2006. Trotz Atemproblemen trat er bis ins hohe Alter von über 80 Jahren auf. „Wenn ich spiele und improvisiere, denke ich nicht nach, denn die Musik kommt aus dem Unbewussten“, sagte er 2010 gegenüber The Root.

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