Moby kritisiert den Song „Lola“ von The Kinks und wirft ihm transphobe Texte vor.
Moby kritisiert den Song „Lola“ von The Kinks und wirft ihm transphobe Texte vor.

Mit seinem Angriff auf „Lola“, einen der bekanntesten Songs der Kinks, hat Moby eine alte Debatte um den Anfang der 1970er-Jahre erschienenen Titel neu entfacht. In einem Interview mit dem Guardian zählte der Musiker das Lied zu jenen, die er nicht mehr hören kann, und bezeichnete den Text als „brutal und transphob“. Dieser Angriff rief umgehend eine Reaktion aus Davies’ Umfeld hervor und entfachte erneut Diskussionen über die wahre Bedeutung dieses britischen Rockklassikers.

Eine zeitgenössische Interpretation, die Kontroversen auslöst

Mobys Kritik bezieht sich auf die Art und Weise, wie das Lied die Begegnung zwischen dem Erzähler und Lola schildert, deren Identität sich nach und nach offenbart. Auf den ersten Blick mögen manche Zeilen veraltet wirken, insbesondere weil sie die Überraschung eines heterosexuellen Mannes ausdrücken, der mit einer solchen Situation nicht vertraut ist. Doch das Lied auf diese eine Reaktion zu reduzieren, bedeutet, seine Einzigartigkeit zu verkennen.

Denn der Text drückt keine offene Ablehnung oder moralische Verurteilung aus. Vielmehr vermittelt er ein Gefühl von Unbehagen, Anziehung, Zögern und schließlich eine Form der Akzeptanz. Der ganze Reiz von „Lola“ liegt in dieser Ambivalenz: Ray Davies schreibt aus der Perspektive eines Mannes seiner Zeit, verunsichert und doch sichtlich fasziniert. Das Lied spielt bis zum Schluss mit dieser Spannung, was zweifellos seinen anhaltenden Einfluss auf die Popkultur erklärt.

Die Verteidigung von Davies und das Vermächtnis des Liedes

Nach Mobys Äußerungen gegenüber dem Guardian verteidigte Dave Davies seinen Bruder und betonte, dass das Lied auf einer wahren Begebenheit beruhe und auch für Trans-Künstler*innen von Bedeutung gewesen sei. Er zitierte insbesondere Jayne County, eine Schlüsselfigur der Punk- und Trans-Szene, die „Lola“ als wichtiges Lied ansah, weil es dazu beitrug, einer zuvor weitgehend ignorierten oder karikierten Figur in der Öffentlichkeit Sichtbarkeit zu verleihen.

Genau das macht den Song so bedeutsam für die Rockgeschichte. Lange bevor diese Themen so diskutiert wurden wie heute, brachte Lola ein Thema, das bis heute nur selten direkt angesprochen wird, in einem populären Hit auf den Punkt. Der Song handelt nicht nur von Transidentität: Er thematisiert auch die Verwirrung über männliche Normen, die Vielschichtigkeit von Begehren und das Unbehagen, das entsteht, wenn man auf etwas trifft, das sich herkömmlichen Kategorien entzieht. Nach heutigen Maßstäben mag der Song diskussionswürdig sein. Doch im historischen Kontext betrachtet, erweist er sich in erster Linie als ein mutiges Stück, weitaus komplexer als die pauschale Anschuldigung, die Moby erhoben hat.

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