Flea, Bassist der Red Hot Chili Peppers, liefert mit „Honora“ ein umwerfendes Jazzalbum ab.
Flea, Bassist der Red Hot Chili Peppers, liefert mit „Honora“ ein umwerfendes Jazzalbum ab.

Wir kannten Flea als den temperamentvollen Bassisten der Red Hot Chili Peppers, eine quirlige Figur, die den Funk bis zur Karikatur verkörperte. Mit Honora verändert er unsere Perspektive radikal. Auf seinem ersten Soloalbum kehrt Michael Balzary zu einer seiner ersten Lieben zurück, der Trompete, und präsentiert ein freies, gefühlvolles und feinsinniges Jazzalbum, bei dem die Leidenschaft im Vordergrund steht und nicht die Virtuosität. Das Ergebnis ist ebenso überraschend wie beeindruckend: Honora ist weit mehr als ein bloßes Nebenprojekt – es ist ein intimes, ambitioniertes und zutiefst musikalisches Werk.

Eine Rückkehr zur Trompete, um das Wesentliche wiederzuentdecken

Obwohl Flea mit seinem unverwechselbaren Bassspiel Rockgeschichte schrieb, fand seine früheste Verbindung zur Musik über die Trompete statt. Wie er in seiner 2019 erschienenen Autobiografie *Teens on Acid* schrieb, war dieses Instrument für ihn „die Königin der Instrumente“. Aufgewachsen mit Jazz und schon früh mit Dizzy Gillespie, Miles Davis und Clifford Brown vertraut gemacht, behielt er seine Vorliebe dafür bei, ohne jemals ein ganzes Projekt diesem Genre zu widmen.

Erst mit fast sechzig Jahren beschloss er, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen und arbeitete zwei Jahre lang an seinem Instrument, bevor er ins Studio ging. Diese Entscheidung verleiht dem Album eine besondere Tiefe: „Honora“ ist keine stilistische Übung, sondern die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches. Wir hören einen Musiker, der weder beweisen noch beeindrucken will, sondern eine Art innere Wahrheit erreichen möchte.

Ein unkonventionelles, raffiniertes und hervorragend unterstütztes Album

Honoras großer Erfolg liegt auch in seiner Ausgewogenheit. Flea beschränkt sich nie auf eine gelehrte oder strenge Jazz-Demonstration. Im Gegenteil, er komponiert ein fließendes, warmes Album voller Groove, Weite und Emotion. Laut franceinfo umgab er sich mit Avantgarde-Musikern wie Jeff Parker, Josh Johnson, Anna Butterss und Deantoni Parks und lud außerdem Thom Yorke, Nick Cave und Warren Ellis ein. Diese hochkarätige Besetzung vermittelt jedoch nie den Eindruck eines Showcase-Albums: Alles dient demselben nächtlichen, meditativen und geschmeidigen Charakter.

Die Coverversionen bestätigen diese Freiheit. Flea wechselt nahtlos zwischen Funkadelic und Frank Ocean, zwischen Ann Ronell und Jimmy Webb, ohne jemals den Eindruck zu erwecken, er stelle lediglich Referenzen nebeneinander. Er integriert diese Stücke in seine eigene Klangwelt. So oszilliert das Album zwischen spiritueller Inbrunst, Melancholie und der Suche nach dem perfekten Groove. Honora ist mehr als nur ein Abstecher; es wirkt wie eine späte Offenbarung: die eines Künstlers, der nach vierzig Jahren im Musikgeschäft immer noch einen Weg findet, sich mit entwaffnender Aufrichtigkeit neu zu erfinden.

Gemeinschaft

1 Kommentar

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  1. Bennygrooves Avatar

    Stimme voll und ganz zu!
    Dieses Album ist tiefgründig und unvergleichlich; es spiegelt Fleas Wunsch wider, seine vollkommene Gedankenfreiheit durch Musik auszudrücken, die unsere Sinne weckt. Sehr gut.

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