Ein hochrangiger UN-Beamter hat Israel vorgeworfen, nach jüngsten Entscheidungen zur Stärkung seiner Kontrolle über die von der Palästinensischen Autonomiebehörde verwalteten Gebiete eine „faktische schrittweise Annexion“ des Westjordanlandes durchzuführen.
In ihrer Rede vor dem Sicherheitsrat am Mittwoch, dem 18. Februar, erklärte die stellvertretende UN-Generalsekretärin Rosemary DiCarlo: „Einseitige israelische Aktionen verändern schrittweise die Realität vor Ort.“ Ihren Angaben zufolge laufen die Entscheidungen der israelischen Regierung seit Monatsbeginn auf eine fortschreitende Ausweitung ihrer Souveränität über das Gebiet hinaus, das sie seit 1967 besetzt hält.
Seit Anfang Februar hat Israel eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die darauf abzielen, seine Kontrolle über das Westjordanland auszuweiten, auch in Gebieten, die gemäß den in den 1990er Jahren geschlossenen Oslo-Abkommen unter palästinensischer Zivilverwaltung stehen. Diese Abkommen, die mittlerweile weitgehend geschwächt sind, regeln die Aufteilung der Macht zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde.
Rosemary DiCarlo warnte davor, dass diese Entscheidungen, sollten sie umgesetzt werden, eine „gefährliche Ausweitung der israelischen Zivilgewalt im besetzten Westjordanland“ darstellen würden, insbesondere in sensiblen Gebieten wie Hebron. Sie äußerte zudem Besorgnis über eine mögliche Beschleunigung des Siedlungsbaus, die durch den Abbau administrativer Hürden, die Vereinfachung von Landkäufen und die Erteilung von Baugenehmigungen begünstigt werden könnte.
Am Dienstag verurteilten 85 UN-Mitgliedstaaten in einer gemeinsamen Erklärung die israelischen Maßnahmen, die ihrer Ansicht nach darauf abzielten, die „illegale Präsenz“ Israels im Westjordanland auszuweiten. Der israelische Außenminister Gideon Saar wies diese Kritik zurück und erklärte in New York: „Keine andere Nation auf der Welt hat ein stärkeres Recht auf das Land der Bibel als wir, das historisch und bezeugt ist.“
Die israelischen Siedlungsaktivitäten wurden seit 1967 unter allen Regierungen fortgesetzt, haben sich aber unter dem derzeitigen Kabinett unter Benjamin Netanjahu, der als einer der rechtsgerichteten in der Geschichte des Landes gilt, intensiviert.