Der Preis für Brent-Rohöl durchbrach am Mittwoch zum ersten Mal seit Juli die Marke von 100 Dollar pro Barrel. Auslöser waren Befürchtungen über eine anhaltende Unterbrechung der Lieferungen im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten.
Der Ölmarkt sendet ein Warnsignal. Brent-Rohöl überschritt am Mittwoch die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel – ein Niveau, das seit Juli nicht mehr erreicht wurde. Ole Hansen, Leiter der Rohstoffstrategie bei der dänischen Saxo Bank, sieht darin einen Wandel in der Anlegerwahrnehmung: „Der Anstieg auf und über 100 US-Dollar spiegelt einen Markt wider, der seine Einschätzung darüber, wie lange die Krise im Nahen Osten die regionale Versorgung noch belasten wird, zunehmend revidieren muss.“
Zwei Faktoren treiben diesen Preisdruck an. Angriffe der vom Iran unterstützten Huthis auf die saudische Energieinfrastruktur gefährden die Öllieferungen durch das Rote Meer, eine alternative Route zur Straße von Hormus. Gleichzeitig haben die Vereinigten Staaten iranische Öltanker im Golf von Oman und in der Straße von Hormus angegriffen. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) rechtfertigte diese Angriffe mit der Aussage, dass „der Iran diese Tanker als Teil eines milliardenschweren, verdeckten Netzwerks nutzt, das die Islamischen Revolutionsgarden und ihre regionalen Stellvertreter finanziert.“
Seit Beginn des Konflikts sind die Ölexporte deutlich zurückgegangen, was mehrere Länder gezwungen hat, auf ihre strategischen Reserven zurückzugreifen. Die Vereinigten Staaten haben damit mit 289,7 Millionen Barrel den niedrigsten Reservestand seit 1982 erreicht. Sowohl Präsident Joe Biden als auch Präsident Donald Trump nutzten diese Reserven, um die Auswirkungen steigender Verbraucherpreise abzufedern.
Der aktuelle Preis liegt jedoch weiterhin unter dem Höchststand vom April, als Brent-Rohöl auf 126 US-Dollar pro Barrel kletterte. Experten gehen davon aus, dass der Markt kaum Spielraum für weitere kriegsbedingte Störungen hat, was ein erhebliches Risiko für die Stabilität der globalen Versorgungslage darstellt.
