Israel flog am Dienstag einen Luftangriff auf Hamas-Führer in Doha und weitete damit seine Militäroperationen auf das Herz der Golfregion aus, wo die palästinensische Bewegung seit langem ihre politische Basis hat. Bei dem Angriff wurde der Sohn von Khalil al-Hayya, dem im Exil lebenden Hamas-Führer und wichtigsten Unterhändler der Gruppe, getötet. Die angegriffenen Führer überlebten Berichten zufolge.
Diese beispiellose israelische Offensive auf katarischem Boden erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Land neben Ägypten eine zentrale Vermittlerrolle in den Gesprächen über einen Waffenstillstand im Gazastreifen nach fast zwei Jahren Krieg spielt. Sie gibt daher Anlass zu ernsthafter Besorgnis über den weiteren Verlauf der Verhandlungen.
Katar, ein strategischer Verbündeter der USA und Standort des Militärstützpunkts Al-Udeid, der größten US-Einrichtung im Nahen Osten, verurteilte die Operation scharf. Analysten befürchten, der Angriff könnte Dohas Glaubwürdigkeit als Vermittler untergraben und die diplomatischen Beziehungen in der Region erschweren.
Israel rechtfertigte diesen Angriff mit der Behauptung, er habe sich gegen die Drahtzieher der Hamas gerichtet, die beschuldigt würden, vom Ausland aus Angriffe auf sein Territorium zu orchestrieren. Doch diese Eskalation außerhalb des Gazastreifens birgt die Gefahr, die regionalen Spannungen weiter anzuheizen, während die israelische Armee gleichzeitig die Evakuierung der Bewohner von Gaza-Stadt anordnet, um eine neue Bodenoffensive vorzubereiten.
Westliche und arabische Staatskanzleien verfolgen diese Entwicklung mit Sorge. Sie befürchten, dass die Ausweitung des Konflikts auf den Golf die Chancen auf einen Waffenstillstand endgültig gefährden und den Weg für eine neue Phase regionaler Instabilität ebnen könnte.