Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, ist der Ansicht, dass die Europäische Union bereit sein muss, in einer zunehmend instabilen Welt mehr von ihrer Macht geltend zu machen, und erklärt, dass das internationale System „auf Regeln basiert“ nicht mehr ausreicht, um die Sicherheit und die Interessen Europas zu gewährleisten.
In ihrer Rede auf einer Konferenz der Botschafter der Europäischen Union in Brüssel erklärte sie, die EU werde den Multilateralismus und die internationalen Normen weiterhin verteidigen, könne sich aber bei der Bewältigung neuer Bedrohungen nicht länger ausschließlich auf diesen Rahmen verlassen.
„Wir werden das regelbasierte System, das wir gemeinsam mit unseren Verbündeten aufgebaut haben, immer verteidigen und unterstützen, aber wir können uns nicht länger allein darauf verlassen, unsere Interessen zu verteidigen“, sagte sie.
Laut ihrer Aussage zwingen die rasanten Veränderungen des geopolitischen Umfelds die Europäische Union dazu, ihre Strukturen und Entscheidungsmethoden zu überdenken. Die in der Nachkriegszeit – einer von Stabilität und Multilateralismus geprägten Ära – entworfenen Institutionen und politischen Mechanismen müssen nun an ein konfliktreicheres internationales Umfeld angepasst werden.
Die Kommissionspräsidentin rief außerdem dazu auf, die geopolitische Glaubwürdigkeit der Union zu überdenken. Sie stellte die Frage, ob die gegenwärtigen Mechanismen des Konsenses und des Kompromisses die Handlungsfähigkeit der EU tatsächlich stärken oder ob sie ihre Effektivität angesichts internationaler Krisen einschränken.
Diese Aussagen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen, darunter der Krieg in der Ukraine, Rivalitäten zwischen Großmächten und Konflikte im Nahen Osten, die die Europäische Union dazu drängen, ihre strategischen Kapazitäten und ihre Verteidigungspolitik zu stärken.