Eine ignorierte Bedrohung? Der Verlust der biologischen Vielfalt könnte eine neue globale Welle von Schuldenkrisen auslösen.
Eine ignorierte Bedrohung? Der Verlust der biologischen Vielfalt könnte eine neue globale Welle von Schuldenkrisen auslösen.

Laut einer am Freitag veröffentlichten Studie könnte der rasante Verlust der globalen Artenvielfalt zu einem drastischen Anstieg der Kreditkosten für Regierungen führen und eine neue Welle von Schuldenkrisen auslösen. Die Forscher gehen davon aus, dass die Finanzmärkte die wirtschaftlichen Folgen eines Zusammenbruchs der Ökosysteme deutlich unterschätzen.

Die Studie prognostiziert, dass der zunehmende Verlust der Artenvielfalt die staatlichen Zinszahlungen weltweit um fast 162 Milliarden US-Dollar jährlich erhöhen könnte. Diese Erhöhung wäre die Folge eines schwächeren Wirtschaftswachstums, von Unterbrechungen der Lieferketten und der Degradierung stark naturabhängiger Sektoren wie Landwirtschaft, Fischerei und Tourismus.

Die Autoren weisen darauf hin, dass mehrere große Schwellenländer besonders gefährdet sein könnten. Länder wie China und Indien könnten eine so starke Verschlechterung ihrer Finanzlage erleben, dass es zu einer deutlichen Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit käme, was ihre Kreditkosten weiter erhöhen würde.

Laut Forschern ist die Biodiversität eine entscheidende Säule der globalen Wirtschaftstätigkeit, doch ihr Wert wird in traditionellen Finanzmodellen oft nicht ausreichend berücksichtigt. Artensterben, Entwaldung und Bodendegradation könnten daher Auswirkungen haben, die mit denen vergleichbar sind, die bei großen Wirtschafts- oder Klimakrisen beobachtet werden.

Die Studie fordert Zentralbanken, Ratingagenturen und internationale Finanzinstitutionen auf, naturbedingte Risiken stärker in ihre Analysen einzubeziehen. Die Autoren sind insbesondere der Ansicht, dass der Internationale Währungsfonds und die wichtigsten Ratingagenturen diese Faktoren bei der Beurteilung der Finanzstabilität von Staaten berücksichtigen sollten.

Diese Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Regierungen bereits mit hohen Schuldenständen, steigenden Zinsen und den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben. Forscher argumentieren, dass das Ignorieren der wirtschaftlichen Auswirkungen des Biodiversitätsverlusts die finanzielle Anfälligkeit vieler Länder in den kommenden Jahren erhöhen könnte.

Obwohl der Erhalt von Ökosystemen häufig als Umweltproblem dargestellt wird, hebt diese Studie hervor, dass er auch eine Frage der globalen wirtschaftlichen und finanziellen Stabilität ist. Laut den Autoren haben politische Entscheidungsträger zwar noch einen gewissen Handlungsspielraum, um Risiken zu begrenzen, doch dieser schrumpft mit dem fortschreitenden Rückgang der Biodiversität.

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