Der tunesische Schauspieler und Komiker Lotfi Abdelli wurde in Abwesenheit von einem tunesischen Gericht zu 18 Monaten Haft verurteilt. Er führt das Urteil auf politische Motive zurück. Der Künstler behauptet, das Urteil ziele darauf ab, kritische Stimmen inmitten der zunehmenden Spannungen um die Meinungsfreiheit in Tunesien zum Schweigen zu bringen.
Laut lokalen Medien wurde Abdelli wegen „Beleidigung von Staatsbeamten“ und „Verstoßes gegen die öffentliche Moral“ im Zusammenhang mit einem Theaterstück, das er vor einigen Jahren aufgeführt hatte, angeklagt. Der Fall hat Reaktionen hervorgerufen, da der Komiker für seine satirischen Auftritte bekannt ist, die sich gegen die politische Klasse richten.
In den letzten Monaten hat Lotfi Abdelli seine Kritik an Präsident Kaïs Saïed verschärft, insbesondere hinsichtlich der politischen und wirtschaftlichen Führung des Landes. In einem kürzlich veröffentlichten Video verglich er das Staatsoberhaupt mit einem „König“ und warf ihm vor, keine konkreten Lösungen anzubieten und seine Gegner einzusperren.
Der Künstler, der telefonisch aus seinem derzeitigen Wohnort Paris erreicht wurde, verurteilte die Gerichtsentscheidung aufs Schärfste. „Dieses Urteil zielt darauf ab, Künstler einzuschüchtern und freie und kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Es ist ein politisches Urteil“, erklärte er und ist überzeugt, dass diese Verurteilung einen direkten Angriff auf die Meinungsfreiheit darstellt.
Der 56-jährige Abdelli ist in Tunesien eine populäre Persönlichkeit; seine Shows sind regelmäßig ausverkauft. Bekannt für seinen provokanten Stil, karikiert er seit Langem politische Figuren und steht damit in der satirischen Tradition, die sich nach der Revolution von 2011 entwickelte.
Die Meinungsfreiheit in Tunesien bleibt ein heikles Thema, seit Kaïs Saïed 2021 mit seiner Herrschaft per Dekret einen politischen Kurswechsel einleitete. Menschenrechtsorganisationen prangern seither einen Rückgang der Freiheiten und eine zunehmende Unterdrückung abweichender Meinungen an und schüren damit die Sorge um die demokratische Zukunft des Landes.
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