Für die traditionellen Medien beginnt ein neues Kapitel. Laut dem Jahresbericht 2026 des Reuters Institute for the Study of Journalism sind soziale Medien und Videoplattformen weltweit die wichtigste Informationsquelle. Erstmals seit Beginn dieser wegweisenden Studie haben Facebook, YouTube, TikTok und Instagram Fernsehen, Online-Zeitungen und Radio im Nachrichtenkonsum der Bevölkerung überholt.
Die Studie, an der fast 100.000 Personen in 48 Ländern teilnahmen, zeigt, dass 54 % der Befragten wöchentlich soziale Medien oder Videoplattformen nutzen, um sich über Nachrichten zu informieren. Dieser Anteil steigt auf 56 %, wenn auch dialogbasierte KI-Tools in die Nachrichtennutzung einbezogen werden. Gleichzeitig sinkt die Nutzung von Fernsehen auf 52 %, während die Nutzung traditioneller Medien-Websites und -Apps auf 51 % zurückgeht.
Eine große Umwälzung für die Medien
Dieser Trend ist besonders bei jüngeren Generationen ausgeprägt. Mehr als die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen betrachtet soziale Medien mittlerweile als ihre wichtigste Nachrichtenquelle. Im Gegensatz dazu nennt derzeit keine Altersgruppe traditionelle Nachrichtenseiten als ihre primäre Informationsquelle.
Dieser Trend schwächt ein ohnehin schon unter Druck stehendes Wirtschaftsmodell zusätzlich. Nur 17 % der Befragten geben an, für den Zugriff auf Online-Informationen zu bezahlen. Gleichzeitig vereinnahmen große digitale Plattformen einen immer größeren Anteil der Werbeeinnahmen, wodurch die Ressourcen traditioneller Redaktionen weiter schrumpften.
Der Bericht hebt zudem das anhaltende Wachstum von Content-Erstellern hervor, die sich auf aktuelle Ereignisse spezialisieren, wie beispielsweise das Phänomen HugoDécrypte in Frankreich. Diese neuen Akteure konkurrieren dank kurzer, für mobile Geräte und soziale Medien optimierter Formate direkt mit traditionellen Medien um ein jüngeres Publikum.
Künstliche Intelligenz wird zunehmend in den Alltag integriert.
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie: Künstliche Intelligenz schreitet rasant voran. Mittlerweile geben 10 % der Befragten an, wöchentlich Chatbots zur Information zu nutzen, verglichen mit 7 % im Vorjahr. Dieses schnelle Wachstum veranlasst Medienunternehmen, ihre Strategien zur Informationsverbreitung und -produktion zu überdenken.
Gleichzeitig schwindet das Vertrauen in die Medien weiter. Nur 37 % der Befragten geben an, den meisten Nachrichten die meiste Zeit zu vertrauen – ein historisch niedriger Wert, so die Autoren des Berichts.
Der Bericht hebt einen grundlegenden Wandel im Nachrichtenkonsumverhalten der Öffentlichkeit hervor. Weltweit haben soziale Medien und Videoplattformen erstmals die traditionellen Medien als primäre Nachrichtenquelle abgelöst. Dieser Trend bestätigt die wachsende Bedeutung von TikTok, YouTube und Facebook für die Informationsverbreitung und zwingt etablierte Anbieter, ihre Strategien zur Zielgruppenansprache zu überdenken.
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