Das norwegische Nobelkomitee hat am Mittwoch Russlands Bemühungen, die Menschenrechtsorganisation Memorial als „extremistische Organisation“ einzustufen, scharf verurteilt. Eine solche Einstufung würde all ihre Aktivitäten kriminalisieren.
In einer Stellungnahme teilte die für die Vergabe des Friedensnobelpreises zuständige Institution mit, sie habe erfahren, dass das russische Justizministerium beim Obersten Gerichtshof einen Antrag auf Nominierung gestellt habe. „Sollte dem Antrag stattgegeben werden, werden sämtliche Aktivitäten von Memorial kriminalisiert“, warnte sie.
Memorial, gegründet am Ende der Sowjetzeit, ist eine der symbolträchtigsten Organisationen der russischen Zivilgesellschaft und bekannt für ihre Dokumentation vergangener und gegenwärtiger politischer Repression. 2022 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Diese Auszeichnung wurde gemeinsam mit dem belarussischen Aktivisten Ales Bialiatski und dem Ukrainischen Zentrum für Bürgerrechte verliehen, in einem Kontext, der von Russlands Invasion in der Ukraine geprägt war. Die Entscheidung des Komitees wurde weithin als direkte Kritik an Moskaus Politik interpretiert.
Die russische Botschaft in Oslo hat bisher nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme reagiert. Der Ausgang des Verfahrens vor dem Obersten Gerichtshof könnte weitreichende Folgen für unabhängige Organisationen haben, die noch in Russland tätig sind.
Diese jüngste juristische Eskalation verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen den russischen Behörden und zivilgesellschaftlichen Akteuren in einem zunehmend restriktiven Klima für Menschenrechtsorganisationen.
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