Die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz könnte einen massiven Ölzufluss auslösen und die Preise in den Keller stürzen lassen.
Die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz könnte einen massiven Ölzufluss auslösen und die Preise in den Keller stürzen lassen.

Die erwartete Wiedereröffnung der Straße von Hormus infolge des Interimsabkommens zwischen den USA und dem Iran könnte zu einem deutlichen Ölpreisverfall führen. Laut mehreren Akteuren des Energiesektors könnten Dutzende Millionen Barrel Öl, die derzeit im Golf zurückgehalten werden, schnell auf die Weltmärkte gelangen und das verfügbare Angebot drastisch erhöhen.

Die Straße von Hormus ist eine der strategisch wichtigsten Seewege der Welt für den Transport von Kohlenwasserstoffen. Ihre Sperrung während des Konflikts unterbrach die Exporte mehrerer Produzenten im Nahen Osten, die gezwungen waren, auf alternative Transportlösungen für ihr Öl zurückzugreifen.

Schätzungen des Analysehauses Kpler zufolge lagern derzeit rund 93 Millionen Barrel nicht-iranisches Öl in der Region. Die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs würde es ermöglichen, diese Mengen schrittweise auf die internationalen Märkte zu bringen und so den Rohölpreis zu senken.

Analysten gehen zudem davon aus, dass eine Lockerung der US-Sanktionen gegen iranische Exporte weitere Auswirkungen haben könnte. Laut Kpler lagern vor der Küste von Chabahar fast 72 Millionen Barrel iranisches Öl auf Tankern und könnten zum Verkauf freigegeben werden, wenn Washington die Sanktionen weiter lockert.

Diese Aussicht ergibt sich daraus, dass die Produzenten am Golf ihre Exporte in den letzten Wochen bereits durch Ladungsumladungen zwischen Schiffen vor den Küsten der Vereinigten Arabischen Emirate und Omans erhöht haben. Diese Angebotsausweitung hat bereits dazu beigetragen, die Aufschläge für Öl aus dem Nahen Osten am Spotmarkt zu senken.

Einige Experten weisen jedoch darauf hin, dass die Auswirkungen durch die derzeit schwachen Raffineriemargen begrenzt sein könnten. Viele asiatische Raffinerien haben ihre Lieferungen für Juni bis August bereits gesichert, was die unmittelbare Nachfrage nach neuen Lieferungen trotz des erwarteten reichlichen Ölangebots dämpfen könnte.

Für die Energiemärkte stellt die Wiedereröffnung der Straße von Hormus dennoch einen entscheidenden Wendepunkt dar. Nach monatelangen Spannungen, die die Angst vor Versorgungsengpässen schürten, bereiten sich die Marktteilnehmer nun auf das gegenteilige Szenario vor: einen massiven Zustrom von Rohöl, der die globalen Energiepreise voraussichtlich nachhaltig entlasten wird.

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