In Ungarn könnte die Oppositionspartei Tisza bei den Parlamentswahlen am Sonntag für eine große Überraschung sorgen. Laut einer Prognose des Meinungsforschungsinstituts Median dürfte die Mitte-Rechts-Partei eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erringen – eine entscheidende Schwelle, die es ihr ermöglicht, die Verfassung und die Grundgesetze des Landes zu ändern.
Unter der Führung von Peter Magyar wird Tisza voraussichtlich 138 bis 142 der 199 Sitze in der Nationalversammlung gewinnen und damit die für eine Zweidrittelmehrheit erforderliche Mehrheit von 133 Sitzen deutlich übertreffen. Ein solches Ergebnis würde den Weg für umfassende institutionelle Reformen ebnen, insbesondere um die derzeit eingefrorenen EU-Fördermittel freizugeben.
Angesichts dieser Dynamik stehen Ministerpräsident Viktor Orbán und seine Fidesz-Partei vor der größten Herausforderung ihrer Macht seit 16 Jahren. Die lange Zeit dominierende Regierungspartei Ungarns liegt in den Wählergunstprognosen nun weit zurück und wird voraussichtlich nur noch 49 bis 55 Sitze erringen.
Die rechtsextreme Partei Mi Hazank („Unser Vaterland“) dürfte laut derselben Prognose fünf bis sechs Sitze gewinnen. Dieses knappe Ergebnis bestätigt die anhaltende Umgestaltung der ungarischen Politiklandschaft, die nun von einer direkten Konfrontation zwischen der Regierungspartei und einer erstarkten Opposition geprägt ist.
Diese Prognosen basieren auf der Analyse von fünf Meinungsumfragen, die zwischen Ende Februar und März durchgeführt wurden. Dies verleiht ihnen zwar ein gewisses Gewicht, garantiert aber nicht den Wahlausgang. Die Wahl am Sonntag wird entscheidend sein, um diesen Trend zu bestätigen oder zu widerlegen.
Sollte es tatsächlich so kommen, wäre ein Erdrutschsieg für Tisza ein historischer Wendepunkt in Ungarn, der die mehr als ein Jahrzehnt andauernde Dominanz der Fidesz beenden und eine neue politische Phase einleiten würde, die möglicherweise besser mit den Erwartungen der Europäischen Union übereinstimmt.
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