Die Tisza-Partei von Ministerpräsident Peter Magyar hat am Freitag einen umfassenden Gesetzentwurf zur Reform der ungarischen öffentlich-rechtlichen Medien vorgelegt. Kritiker werfen diesen seit Jahren vor, als Sprachrohr der früheren Regierung von Viktor Orbán zu fungieren. Die Initiative zählt zu den zentralen Wahlversprechen der neuen Regierung nach ihrem Erdrutschsieg bei den Wahlen im April.
Der Text zielt darauf ab, ein öffentlich-rechtliches Mediensystem wiederherzustellen, das „unabhängig, transparent und rechenschaftspflichtig“ ist. Die Befürworter der Reform sind der Ansicht, dass die gegenwärtigen Strukturen im Laufe der Jahre ihre Neutralität verloren haben und dass eine tiefgreifende Umstrukturierung notwendig ist, um das Vertrauen der Öffentlichkeit wiederherzustellen.
Eine der wichtigsten vorgeschlagenen Änderungen betrifft die MTVA-Holdinggesellschaft, die derzeit die öffentlich-rechtlichen Medien verwaltet. Sie soll in mehrere separate Einheiten aufgeteilt werden. Der Plan sieht außerdem die Wiedereinführung der MTI als unabhängige nationale Nachrichtenagentur vor, um die Autonomie der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung zu stärken.
Der Text sieht außerdem die Einrichtung eines unabhängigen Komitees für öffentlich-rechtliche Medien vor. Dieses Gremium wäre für den Schutz der redaktionellen Unabhängigkeit, die Überwachung der Finanzen öffentlich-rechtlicher Medien und die Mitwirkung bei der Ernennung ihrer Führungskräfte zuständig. Seine Zusammensetzung würde auf dem Prinzip der Parität beruhen und Vertreter der Regierung, der Opposition und der unabhängigen Medien umfassen.
Darüber hinaus soll ein neuer öffentlich-rechtlicher Medienrat eingerichtet werden, um die Einhaltung der in einer speziellen Charta festgelegten Grundsätze des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu gewährleisten. Der Gesetzentwurf sieht außerdem eine Reform des Medienrats, der Regulierungsbehörde des Sektors, vor, um eine ausgewogenere Vertretung und mehr Transparenz bei Entscheidungen sicherzustellen.
Die vorgeschlagenen Reformen würden auch den Rücktritt der derzeitigen Führungskräfte der öffentlich-rechtlichen Medien zur Folge haben. Während der Übergangszeit würde deren Leitung dem Kulturminister Zoltan Tarr übertragen, bis im Rahmen eines offenen Auswahlverfahrens neue Führungskräfte ernannt werden.
Dank ihrer verfassungsmäßigen Mehrheit verfügt die Regierung von Peter Magyar über die notwendigen Mittel, diese Reform durchzusetzen. Die neue Regierung präsentiert dieses Projekt als wichtigen Schritt zur Wiederherstellung demokratischer Institutionen, während ihre Gegner abwarten, ob den Versprechen der Medienunabhängigkeit konkrete Maßnahmen folgen werden.
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