Angesichts der Spannungen in Ostasien beschleunigen Japan und Südkorea ihre strategische Annäherung.
Angesichts der Spannungen in Ostasien beschleunigen Japan und Südkorea ihre strategische Annäherung.

Japan und Südkorea bekräftigten am Dienstag ihr Engagement für die Vertiefung ihrer Sicherheits- und Wirtschaftsbeziehungen, um den zunehmenden regionalen Spannungen in Ostasien zu begegnen. Diese gemeinsame Position wurde im Anschluss an ein Gipfeltreffen zwischen der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi und dem südkoreanischen Präsidenten in Nara, Westjapan, zum Ausdruck gebracht. Lee Jae Myung.

Die beiden Staatschefs erörterten eine breite Palette von Themen, darunter die Sicherung industrieller Lieferketten, die Entwicklung künstlicher Intelligenz, die Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel und die trilaterale Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten, ihrem gemeinsamen Verbündeten. Sanae Takaichi betonte, dass die Bedeutung der Beziehungen zwischen Japan und Südkorea sowie die der Koordination mit Washington im aktuellen geopolitischen Kontext weiter zunimmt.

Lee Jae-myung deutete zudem an, dass die beiden Länder ihre Zusammenarbeit im Kampf gegen Online-Betrug verstärken würden – ein grenzüberschreitendes Phänomen, das immer mehr Opfer in der Region betrifft. Die Gespräche fanden eine Woche nach dem Treffen der südkoreanischen und chinesischen Präsidenten statt. Xi Jinpingwährend die Beziehungen zwischen Tokio und Peking weiterhin angespannt sind.

Die Spannungen haben sich zuletzt verschärft, nachdem Sanae Takaichi erklärt hatte, Japan könne seine Streitkräfte einsetzen, falls ein chinesischer Angriff auf Taiwan eine existenzielle Bedrohung darstelle. Peking betrachtet Taiwan als Teil seines Territoriums, eine Behauptung, die von der demokratisch regierten Insel zurückgewiesen wird. Lee seinerseits erklärte, er beabsichtige nicht, sich in den chinesisch-japanischen Konflikt einzumischen, hielt die Situation aber gleichzeitig für unerwünscht für die regionale Stabilität.

Trotz einer deutlichen Verbesserung der Beziehungen in den letzten Monaten bleiben die Verbindungen zwischen Tokio und Seoul aufgrund historischer Streitigkeiten im Zusammenhang mit der japanischen Kolonialisierung der koreanischen Halbinsel angespannt. Diese Meinungsverschiedenheiten betreffen insbesondere das Schicksal von Frauen, die zur Prostitution in Militärbordellen gezwungen wurden, und von Zwangsarbeitern, die während des Zweiten Weltkriegs zwangsrekrutiert wurden.

Sanae Takaichi begrüßte jedoch die Fortschritte bei der Identifizierung menschlicher Überreste, die in einem alten Kohlebergwerk in Japan entdeckt wurden, wo 1942 Dutzende Koreaner und Japaner ums Leben kamen. Die beiden Staatschefs kündigten schließlich ihre Absicht an, die „Pendeldiplomatie“ fortzusetzen. Der japanische Premierminister wird Südkorea in Kürze zu einem weiteren Gipfeltreffen besuchen; der Termin steht noch nicht fest.