Étienne Davignon stirbt vor seinem Prozess im Mordfall Patrice Lumumba
Étienne Davignon stirbt vor seinem Prozess im Mordfall Patrice Lumumba

Der ehemalige belgische Diplomat Étienne Davignon starb am Montag im Alter von 93 Jahren, bevor er im Fall der Ermordung des kongolesischen Unabhängigkeitsführers Patrice Lumumba im Jahr 1961 vor Gericht gestellt werden konnte. In diesem Jahr wurde er als erste Person offiziell in diesem historischen Fall angeklagt.

Der Tod von Étienne Davignon wurde vom Jacques-Delors-Institut bestätigt, dessen Vorstandsmitglied er war. Er war über Jahrzehnte eine prägende Persönlichkeit der belgischen Diplomatie und Wirtschaft und hatte auch als EU-Kommissar gedient.

Die belgische Staatsanwaltschaft hatte beschlossen, ihn wegen Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Attentat auf Patrice Lumumba, das als eines der bedeutendsten politischen Verbrechen des 20. Jahrhunderts gilt, anzuklagen. Die Staatsanwaltschaft war der Ansicht, er habe an der rechtswidrigen Inhaftierung oder Überführung des kongolesischen Führers mitgewirkt und ihm das Recht auf ein faires Verfahren verweigert.

Nachdem Patrice Lumumba nach der Unabhängigkeit des Kongo von Belgien im Jahr 1960 Premierminister des heutigen Kongo (Demokratische Republik Kongo) geworden war, wurde er einige Monate später gestürzt und am 16. Januar 1961 von separatistischen Rebellen, die von Belgien unterstützt wurden, ermordet.

Die Affäre zählt zu den dunkelsten Kapiteln der belgischen Kolonialgeschichte und ist ein Symbol für die afrikanischen Unabhängigkeitskämpfe jener Zeit. Auch mehr als sechs Jahrzehnte später ruft die Ermordung Lumumbas in Afrika und Europa noch immer starke Emotionen hervor.

Étienne Davignon wurde außerdem der Beteiligung an den Attentaten auf zwei enge Verbündete Lumumbas, Maurice Mpolo und Joseph Okito, beschuldigt. Er hatte stets jegliche Verantwortung bestritten und legte zum Zeitpunkt seines Todes Berufung gegen die Entscheidung ein, ihn vor Gericht zu stellen.

Er war der letzte überlebende Verdächtige in diesen Ermittlungen, die vor fast fünfzehn Jahren begannen. Sein Tod droht nun die Bemühungen um die Klärung der richterlichen Verantwortung in diesem sinnbildlichen Fall der postkolonialen afrikanischen Geschichte weiter zu erschweren.

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