Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodriguez ist in den Niederlanden eingetroffen, um an einer Anhörung vor dem Internationalen Gerichtshof im Zusammenhang mit dem Territorialstreit zwischen Venezuela und Guyana um die Region Esequibo teilzunehmen.
Laut einer Erklärung des venezolanischen Präsidentenbüros wird Delcy Rodriguez am Montag die Delegation aus Caracas bei der Anhörung in Den Haag leiten. Der über ein Jahrhundert alte Streit betrifft eine riesige, öl- und rohstoffreiche Region, die von beiden südamerikanischen Ländern beansprucht wird.
Guyana reichte 2018 beim Internationalen Gerichtshof eine Klage ein, um die offizielle Anerkennung eines Schiedsspruchs von 1899 zu erwirken, der das Gebiet dem ehemaligen Britisch-Guayana zusprach. Caracas bestreitet diese Entscheidung seit Langem; es betrachtet sie als ungerecht und als ein Überbleibsel der Kolonialzeit.
Das endgültige Urteil des Gerichtshofs wird erst in einigen Monaten erwartet. Die Entscheidungen des UN-Gerichtshofs sind bindend und können nicht angefochten werden; ihre Umsetzung hängt jedoch vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ab, da der Gerichtshof selbst keine direkten Durchsetzungsmöglichkeiten hat.Reuters)
Diese Reise markiert zugleich Delcy Rodriguez' erste Europareise seit ihrem Amtsantritt nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die Vereinigten Staaten in einer Militäroperation im Januar 2026. Dieser außergewöhnliche politische Übergang hat die venezolanische politische Landschaft tiefgreifend verändert.
Delcy Rodriguez war zuvor von der Europäischen Union mit Sanktionen und einem Reiseverbot belegt worden, da diese mehreren hochrangigen venezolanischen Beamten vorwarf, die demokratischen Institutionen des Landes zu untergraben. Ihre Anwesenheit in Den Haag verdeutlicht die strategische Bedeutung, die Caracas der Essequibo-Frage beimisst, die zu einer zentralen Frage der nationalen Souveränität geworden ist.
Die umstrittene Region umfasst mehr als zwei Drittel des guyanischen Territoriums und liegt in der Nähe bedeutender, in den letzten Jahren entdeckter Offshore-Öl- und Gasfelder. Dieser Energiereichtum hat die Spannungen zwischen den beiden Nachbarländern neu entfacht und die internationale Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt.
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