MONDE

Zurück in Afghanistan ohne Zukunft: Irans Deportierte geraten in Ungewissheit

Zurück in Afghanistan ohne Zukunft: Irans Deportierte geraten in Ungewissheit
Zurück in Afghanistan ohne Zukunft: Irans Deportierte geraten in Ungewissheit

Hunderttausende Menschen wurden in den letzten Wochen zwangsweise nach Afghanistan abgeschoben, oft unter brutalen Bedingungen. Die 31-jährige Habiba erzählt Reuters, wie ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt wurde: Als sie im Iran ein Ingenieurstudium absolvierte, wurde sie im Juli, nur wenige Wochen vor ihrem Abschluss, ausgewiesen. „Ich war so nah dran“, sagt sie, noch immer geschockt, bei ihrer Ankunft am Grenzübergang Islam Qala in der afghanischen Provinz Herat.

Ihre Geschichte verkörpert die Bestürzung einer ganzen Generation von Afghanen, insbesondere Frauen, die vor der Unterdrückung durch die Taliban im Iran Zuflucht gesucht hatten. Als sie in ein Land zurückkehrten, in dem ihnen der Zugang zu Universitäten und den meisten Arbeitsplätzen verwehrt blieb, sahen sie ihre Hoffnungen zerplatzen. Habibas einziges Gepäck: ein Laptop, ein paar Papiere und eine unvollendete Abschlussarbeit.

Seit Anfang Juni sind fast 700 Afghanen wurden aus dem Iran vertrieben, wie aus Zahlen des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR) hervorgeht. Diese beispiellose Flüchtlingswelle ereignet sich, während der Iran, erschüttert durch den Krieg mit Israel und die Spannungen in der inneren Sicherheit, bestimmte afghanische Staatsbürger der Spionage beschuldigt. Menschenrechtsorganisationen prangern willkürliche Verhaftungen, Schläge, überstürzte Ausweisungen und manchmal sogar die Trennung von Familien an.

Massenrückführungen finden über die 920 Kilometer lange gemeinsame Grenze zwischen den beiden Ländern statt, eine Wüstenregion, in der die Aufnahmeeinrichtungen überlastet sind. Rückkehrlager wie das in Islam Qala können kaum noch Hilfe leisten. „Es fehlt an Nahrung, Unterkunft, medizinischer Versorgung, einfach an allem“, warnt ein lokaler humanitärer Helfer.

Besonders dramatisch ist die Situation für Frauen, die in ein Land zurückgeschickt werden, in dem ihre Rechte seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im Jahr 2021 systematisch eingeschränkt wurden. Ihnen ist es verboten zu unterrichten, über die Sekundarschule hinaus zu studieren, öffentliche Ämter zu bekleiden oder sich ohne männliche Begleitung frei zu bewegen: Die Zukunft, die sie sich im Exil aufgebaut hatten, wurde ihnen brutal entrissen.

Sowohl NGOs als auch UN-Organisationen halten die internationale Reaktion angesichts des Ausmaßes der Krise für völlig unzureichend. Die meisten der Abgeschobenen kehren in ein Land zurück, das von wirtschaftlicher Instabilität, Dürre und unerbittlicher politischer Unterdrückung heimgesucht wird. Vor diesem Hintergrund verschärft die Zwangsrückführung von Flüchtlingen eine humanitäre Katastrophe, die bereits außer Kontrolle gerät.

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