In Chicago wächst die Besorgnis, da die Trump-Regierung ein umfassendes bundesstaatliches Vorgehen gegen Kriminalität und Einwanderung in den großen Zufluchtsstädten vorbereitet. In den Kirchen fordern Pfarrer ihre Gemeindemitglieder auf, ruhig, aber auch wachsam zu bleiben, da sie eine Verhaftungswelle und sogar den Einsatz der Nationalgarde befürchten.
Reverend Marshall Hatch, eine angesehene Persönlichkeit der New Mount Pilgrim Missionary Baptist Church, forderte seine Gemeindemitglieder auf, immer ihre Ausweise bei sich zu tragen und ihre Angehörigen über ihren Aufenthaltsort zu informieren. „Wir werden der Angst nicht nachgeben, wir werden dem Autoritarismus nicht nachgeben“, betonte er. Die Ankündigung einer möglichen Militärintervention hat in schwarzen und lateinamerikanischen Gemeinden, die ohnehin von tiefem Misstrauen gegenüber der Polizei geprägt sind, heftige Reaktionen ausgelöst.
Kirchen an vorderster Front der Unsicherheit
Umfang und Zeitpunkt des Einsatzes sind noch unklar. Tom Homan, Trumps „Grenzzar“, hat bestätigt, dass die Operation innerhalb einer Woche Chicago anvisieren wird. Für die 45-tägige Mission sollen ein Militärstützpunkt nördlich der Stadt und ein Bundesverarbeitungszentrum genutzt werden. Diese Aussicht sorgt bereits jetzt für eine gedrückte Stimmung während der Feierlichkeiten zum mexikanischen Unabhängigkeitstag, die für das lokale Kulturleben so wichtig sind.
Religiöse Führer versuchen, eine zivile Reaktion zu organisieren und erinnern die Bewohner an ihre Rechte gegenüber Bundesbeamten. „Wir fordern kein Militärpersonal, wir fordern Ressourcen“, betont Pastor Hatch und weist darauf hin, dass Armut und mangelnde Investitionen die Sicherheit der Nachbarschaft stärker bedrohen als Polizeipräsenz. Doch in dieser angespannten Atmosphäre befürchten viele ein Klima der Angst, das die Kirchen und Straßen der Einwandererviertel leeren könnte. „Es scheint, als könne jederzeit alles passieren“, fasst Pfarrer Paco Amador aus dem Viertel Little Village zusammen.