Nachdem sie geglaubt hatten, dank der im April zwischen Israel und der Hisbollah vereinbarten Waffenruhe zu einem normalen Leben zurückkehren zu können, sind viele christliche Einwohner der Stadt Tyros erneut zur Flucht gezwungen. Jüngste israelische Bombenangriffe und Evakuierungsanordnungen haben die Angst vor dem Verlust ihrer historischen Präsenz im Südlibanon neu entfacht.
Unter ihnen war Darine Al Jouny Safadi, die nach monatelanger Ungewissheit in ihr Zuhause im christlichen Viertel von Tyros zurückgekehrt war. Doch wenige Wochen später mussten sie und ihre Familie erneut vor den Kämpfen fliehen, diesmal in der Angst, nie wieder nach Hause zurückkehren zu können.
Die Besorgnis wuchs, als die israelische Armee die Evakuierung eines historischen Stadtviertels anordnete, bevor sie Luftangriffe durchführte, die sie mit der angeblichen Anwesenheit von Hisbollah-Kämpfern begründete. Israel behauptet, Infrastruktur der libanesischen bewaffneten Gruppe anzugreifen, hat aber bisher keine Beweise für die in diesem Gebiet erwähnten Operationen vorgelegt.
Frühere Evakuierungsanordnungen hatten die alte christliche Stadt verschont. Diesmal befürchtet die Bevölkerung, dass die aufeinanderfolgenden Zerstörungen und Vertreibungen ein jahrhundertealtes religiöses und kulturelles Erbe gefährden werden. Einige Bewohner sind trotz der Risiken geblieben, während andere weiter nördlich im Land Zuflucht gesucht haben.
Der Erzbischof der Gemeinde bezeichnete diese neue Vertreibungswelle als die bisher schwerste Prüfung, die sie durchgemacht haben. Seinen Worten zufolge steht neben dem materiellen Schaden die Zukunft der christlichen Gemeinden im Südlibanon selbst auf dem Spiel.
Seit Beginn der Eskalation des Konflikts wurden mehr als eine Million Libanesen vertrieben. Für viele christliche Familien in Tyros beschränkt sich die Angst nicht mehr nur auf Bombenangriffe: Sie fürchten nun den endgültigen Verlust ihrer Häuser, ihres Landes und ihrer historischen Wurzeln in einer Region, die sie seit Generationen als ihre Heimat betrachten.
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