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France Télévisions unter Beschuss von Abgeordneten: Delphine Ernotte verteidigt die Neutralität ihrer Gruppe. (AP)

Am Mittwoch erschien Delphine Ernotte-Cunci, Präsidentin von France Télévisions, vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Neutralität und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Es stand viel auf dem Spiel: Ihrem Sender wird vorgeworfen, die Sozialistische Partei zu bevorzugen, und der Rechnungshof hatte kürzlich die als kritisch eingestufte Finanzlage beklagt. Auch die Affäre Legrand-Cohen, in die Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verwickelt waren und die ein umstrittenes Treffen mit Politikern beinhaltete, hatte den Verdacht der Parteilichkeit verstärkt.

Um 15:30 Uhr betonte der Ausschussvorsitzende Jérémie Patrier-Leitus die objektive Rolle des Ausschusses und appellierte an die Abgeordneten, die Debatten nicht in einen Prozess ausarten zu lassen. Es ging um zwei Dinge: die Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu prüfen und dessen Haushaltsführung zu verstehen, gleichzeitig aber auch die Verantwortung der Leitung angesichts der Vorwürfe der Parteilichkeit zu klären.

Christophe Tardieu, Generalsekretär von France Télévisions, stellte klar, dass kein Druck auf den Rechnungshof ausgeübt worden sei, und reagierte damit auf Gerüchte über eine mögliche Manipulation der Veröffentlichung des Berichts, um die Wiederwahl von Ernotte-Cunci für eine dritte Amtszeit zu erleichtern.

Delphine Ernotte-Cunci verteidigte die Neutralität von France Télévisions.

Im Zentrum der Diskussionen verteidigte Delphine Ernotte-Cunci nachdrücklich die Neutralität von France Télévisions. Sie betonte, dass der öffentlich-rechtliche Sender alle französischen Bürger erreichen müsse, unabhängig von deren Meinung, Einkommen oder Wohnort. Laut Ernotte-Cunci sei dieses Gebot der Unparteilichkeit eine absolute Säule der Mission des Senders, und es seien interne Initiativen gestartet worden, um die Ausgewogenheit der Meinungen zu stärken. Sie räumte ein, dass die jüngsten Kontroversen, insbesondere die um die Affäre Legrand-Cohen, eine legitime Debatte über Neutralität angestoßen hätten.

Die Präsidentin betonte außerdem, dass France Télévisions von ARCOM noch nie wegen seiner Berichterstattung sanktioniert worden sei und dass das Vertrauen der Öffentlichkeit auf einer fundierten und unparteiischen Berichterstattung beruhe. Sie nannte France Info als Beispiel, ein Sender, der jährlich 40 Millionen Euro kostet und mehrere Redaktionen beschäftigt, um einen vergleichsweise geringen Marktanteil zu erreichen. Dabei hob sie hervor, dass Qualität Vorrang vor wirtschaftlicher Effizienz habe.

Das Thema der Finanzkrise steht zur Sprache.

Der finanzielle Aspekt stand im Mittelpunkt der eingehenden Prüfung. Delphine Ernotte-Cunci räumte ein, dass die Finanzlage angespannt sei, erklärte aber, dass der Konzern trotz gekürzter staatlicher Subventionen und aufeinanderfolgender Budgetkürzungen kontinuierliche Anstrengungen unternommen habe. 2025 sei ein besonders schwieriges Jahr für die Anpassung der Ausgaben gewesen, und 2026 werde eine strategische Neuausrichtung erfordern. Sie betonte, dass alle Entscheidungen in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat getroffen worden seien.

Sie hob außerdem die veränderten Sehgewohnheiten der Fernsehzuschauer hervor: Traditionelles Fernsehen macht zwar immer noch 65 % der durchschnittlichen Sehzeit aus, doch digitale Plattformen wie YouTube gewinnen insbesondere bei jungen Menschen an Bedeutung. Laut ihrer Aussage muss sich die Gruppe an diesen rasanten Wandel des Publikums anpassen und kann sich nicht länger auf lineares Fernsehen beschränken.

Abgeordnete prangern mangelnde Transparenz an.

Die Fragen der Abgeordneten verdeutlichten die Spannungen im Zusammenhang mit der Kommunikation von France Télévisions. Delphine Ernotte-Cunci wurde zur angeblichen Intransparenz der Pressemitteilungen, insbesondere hinsichtlich der Finanzlage, befragt. Sie antwortete, dass alle verfügbaren Informationen berücksichtigt werden müssten, nicht nur offizielle Stellungnahmen.

Der Berichterstatter Charles Alloncle sprach auch Verträge mit Produktionsfirmen sowie Ausgaben für Empfänge und Übernachtungen beim Filmfestival in Cannes an und wollte damit aufzeigen, dass die Transparenz noch verbessert werden müsse. In diesem Zusammenhang beteiligten sich auch Abgeordnete der LFI (La France Insoumise) an den Debatten und stellten Fragen zu den Zusammenhängen zwischen öffentlicher Information und gesellschaftspolitischen Themen.

Ein Bericht wird im Frühjahr erwartet.

Nach der Anhörung von Delphine Ernotte-Cunci wird der parlamentarische Untersuchungsausschuss alle Zeugenaussagen und Dokumente auswerten, um einen detaillierten Bericht zur Neutralität und Finanzlage von France Télévisions zu erstellen. Dieser Bericht, der im Frühjahr erwartet wird, enthält Empfehlungen, die zwar nicht rechtsverbindlich sind, aber interne Reformen, Anpassungen des Staatshaushalts und weitere parlamentarische Debatten nach sich ziehen könnten. Ziel ist es, die Transparenz, die redaktionelle Ausgewogenheit und die finanzielle Stabilität des öffentlich-rechtlichen Senders zu stärken und gleichzeitig die Umsetzung der Empfehlungen zu überwachen.