Hinter den Bildschirmen reißt der Strom nicht ab. Zwischen August und Mitte Dezember 2025 erfasste Arcom rund 19.600 französischsprachige Nachrichten, die „potenziell sexistisch“ waren oder sexistische Stereotype enthielten, hauptsächlich auf X und YouTube.
Manche verstoßen gegen das Gesetz, andere entgehen der Kontrolle – weniger offensichtlich anstößig, aber durch schiere Wiederholung und Weitergabe genauso zerstörerisch. Hier setzt die Regulierungsbehörde an: Die Anhäufung, die virale Verbreitung, die „Rezepte“ für die Weiterverbreitung können „systemische Risiken“ schaffen – diffuse, aber sehr reale Schäden, die letztlich ein Klima prägen, eine Haltung normalisieren und das Gewöhnliche in ein schleichendes Gift verwandeln.
Die „Grauzone“, das neue Eldorado der Viralität
Auffällig an der Arcom-Umfrage ist die Themenvielfalt: Männlichkeit, Antifeminismus, Transphobie, Pornografie, Beleidigungen, „Ratschläge“ zur Verführung und Geschlechterstereotype, die mitunter rassistische Untertöne aufweisen. Ein als Beispiel angeführter brutaler Ausdruck, gefolgt von abgeschwächten Äußerungen über „männliche Energie“ und „subtile Dominanz“, offenbart eine klare Strategie: Schockieren und die eigentliche Botschaft dann mit einem Deckmantel der Persönlichkeitsentwicklung verpacken.
Das Phänomen ist nicht eindimensional, denn 32 % der Nachrichten stammen von Accounts, die sich als weiblich identifizieren – ein Zeichen dafür, dass diese Stereotype weit verbreitet sind. Die wirtschaftlichen und industriellen Implikationen sind letztendlich klar: Spaltende Inhalte generieren Reichweite, Reichweite generiert Umsatz, und die Moderation wird zum Balanceakt zwischen Image, Konformität und Profitabilität. Arcom fordert daher mehr Kooperation und bessere Identifizierungsinstrumente, ohne die Meinungsfreiheit einzuschränken. In einem sich noch entwickelnden Regulierungsrahmen wird der Erfolg davon abhängen, ob die Plattformen beweisen können, dass sie das System im Griff haben, bevor es außer Kontrolle gerät.