Mehr als 300 napoleonische Archive nach Schmuggeloperation sichergestellt
Mehr als 300 napoleonische Archive nach Schmuggeloperation sichergestellt

Nachdem sie jahrzehntelang verloren gegangen, weiterverkauft und von privaten Sammlern zusammengetragen worden waren, sind über 300 historische Dokumente aus der napoleonischen Ära offiziell an das französische Kulturgut zurückgegeben worden. Die Restitution, die Anfang Juni in Brüssel stattfand, markiert den Höhepunkt einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen französischen und belgischen Behörden zur Rückgewinnung öffentlicher Archive, die infolge des organisierten Handels mit historischen Dokumenten verstreut worden waren.

Öffentliche Archive werden auf dem privaten Markt weiterverkauft

Die offizielle Übergabe fand in der französischen Residenz in Belgien unter der Schirmherrschaft von Botschafter Xavier Lapeyre de Cabanes statt. Die betreffenden Dokumente waren im Laufe der Jahre aus verschiedenen französischen Institutionen, insbesondere dem französischen Militärhistorischen Dienst und dem Staatsarchiv, entfernt worden. Laut Angaben der französischen Behörden wurden 240 Lose an den französischen Militärhistorischen Dienst und 69 weitere an das Ministerium für Europa und auswärtige Angelegenheiten sowie den französischen interministeriellen Archivdienst zurückgegeben.

Die Sammlung umfasst mehrere bemerkenswerte Objekte aus der Revolutionszeit, der Konsulats- und der Kaiserzeit: einen Bericht von Joseph Fouché an Ludwig XVIII., Korrespondenz von Marschall Alexandre Berthier mit dem Diplomaten François Cacault sowie eine offizielle Abschrift des 1814 mit den Alliierten geschlossenen Waffenstillstandsabkommens. Einige Dokumente tragen vermutlich auch Napoleons Unterschrift.

Ein belgischer Sammler im Zentrum eines Rechtsstreits

Laut RTBF-Informationen wurde ein Großteil der Dokumente in Fleurus, Belgien, im Haus eines Sammlers mit einer Leidenschaft für die Napoleonische Ära sichergestellt. Dieser Fall ist Teil der laufenden „Génot-Affäre“, einer umfassenden Untersuchung eines Netzwerks, das sich der widerrechtlichen Aneignung und des illegalen Vertriebs historischer Archive schuldig gemacht hat, die nach und nach auf dem Sammlermarkt auftauchten.

Der Inhaber der Dokumente behauptete, sie rechtmäßig erworben zu haben, und focht ihre Rückgabe an. Die belgischen Gerichte bekräftigten jedoch einen Grundsatz: Der öffentliche Charakter dieser Dokumente hat Vorrang vor den Umständen ihres Erwerbs. Das Gericht in Charleroi bestätigte in einem Urteil vom Juni 2025, dass diese Archive Eigentum des französischen Staates bleiben und an diesen zurückgegeben werden müssen.

Diese Operation verdeutlicht auch das Ausmaß der Plünderungen, die zwischen den 1980er und 2000er Jahren Archivbestände in Europa betrafen. Laut den beteiligten Behörden gelten bis heute viele Objekte als verschollen, was darauf hindeutet, dass die Such- und Restitutionsverfahren noch lange nicht abgeschlossen sind.

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