Getreu ihrer Tradition, jedes Jahr zum Ende der Kirschblütenzeit in Japan einen Roman zu veröffentlichen, präsentiert Aki Shimazaki „Mukudori“, den zweiten Teil ihrer fünften Pentalogie, die mit „Ajisai“ begann. Der kurze, prägnante Roman, erschienen bei Actes Sud (176 Seiten, 16,50 €), erzählt die Geschichte von Matsuko Okita, einer Frau in ihren Sechzigern, die 38 Jahre nach ihrem ersten Besuch zum zweiten Mal in ihrem Leben die Nationale Arbeitsagentur aufsucht. Das Kaufhaus, das sie und ihr Mann Atsushi gemeinsam führten, ist gerade in Konkurs gegangen. Atsushis Gesundheit verschlechtert sich. Während ihre Freunde bereits ihren Ruhestand genießen, muss Matsuko mit über 60 Jahren allein für sich und ihren Mann sorgen.
Eine unerwartete Begegnung, eine Sprache von beeindruckender Präzision
In diesem Kontext begegnet Matsuko Matsuo, einem Mann mit einer Leidenschaft für Ornithologie. Dieser Fremde schleicht sich behutsam in das Leben des zurückgezogen lebenden älteren Ehepaares ein und verändert ihren Alltag. Er wird zu einem Begleiter in kostbaren Augenblicken, zu einem wahren Freund. Um dieses Trio entfalten sich die Themen, die der in Japan geborenen Autorin, die seit fünfunddreißig Jahren in Montreal lebt, am Herzen liegen: das Alter, die Stärke von Bindungen, Würde angesichts von Tragödien, der Tod und das, was ihn überdauert. Aki Shimazakis präzise, schmucklose Sprache, die laut Lire Magazine bemerkenswert wirkungsvoll ist, verwandelt diesen kurzen Roman in eine poetische Meditation darüber, was es bedeutet, gemeinsam alt zu werden, Widrigkeiten zu überwinden und offen für die Schönheit der Welt zu bleiben, selbst im Flug eines Stares. Unbedingt lesenswert.
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