Die französische Verlagswelt ist erschüttert. Nach über 25 Jahren an der Spitze des Grasset-Verlags wurde Olivier Nora als Präsident abgesetzt und hinterlässt ein destabilisiertes Haus, während gleichzeitig zahlreiche Autoren ihren Abschied ankündigen. Innerhalb weniger Stunden ist das gesamte Gleichgewicht eines der traditionsreichsten Verlage der französischen Literaturlandschaft ins Wanken geraten.
Eine seltene und weitverbreitete Revolte der Autoren
Nach diesem abrupten Ausstieg haben über hundert Autoren angekündigt, ihr nächstes Buch nicht mehr bei Grasset zu veröffentlichen. Ihre Zahl schwankt zwischen 115 und 140 und deutet auf eine weit verbreitete, aber noch im Entstehen begriffene Bewegung hin. Die Botschaft ist klar: Jenseits einer einzelnen Führungsfigur wollen diese Autoren eine bestimmte Verlagsvorstellung verteidigen.
Olivier Nora, eine zentrale Figur der redaktionellen Unabhängigkeit
Der im Jahr 2000 ernannte Olivier Nora verkörperte für viele eine literarische Autorität, die auf engen Beziehungen zu Autoren, seiner langjährigen Tätigkeit und relativer redaktioneller Autonomie beruhte. Seine Entlassung wird als symbolischer Wendepunkt wahrgenommen. In einem ohnehin schon fragilen Sektor schürt dieser Bruch die Befürchtung einer Schwächung der Meinungs- und Wahlfreiheit, die den Verlag bis heute prägten.
Ein Nachfolger, der Bedenken konkretisiert
Als Nachfolger wählte die Gruppe Jean-Christophe Thiery. Diese Ernennung hat die Spannungen keineswegs gemildert, sondern vielmehr die von vielen Autoren geäußerte Besorgnis verstärkt. Mehrere Beobachter weisen darauf hin, dass diese Wahl als Zeichen einer direkteren Übernahme interpretiert wird, gerade in einer Zeit, in der die Sorgen um die Unabhängigkeit der Verlage in den letzten Jahren zugenommen haben.